New Music Reviews Juni 2020
Wertung:
  9.0 bis 10 Kaufempfehlung.         7.5 bis 8.9 Gut.
  4.0 bis 7.4 Vor Kauf reinhören.   0.0 bis 3.9 Nicht empfohlen.
VANDENBERG – 2020  (Transparent Vinyl)
Mascot Records/Musikvertrieb
Vandenberg habe ich als Truppe in Erinnerung, die mit dem ersten beiden Scheiben («Vandenberg», «Heading For The Storm») eher in der amerikanischen Rock-Schiene unterwegs war und mit Survivor oder Loverboy gute Sparringpartner hatte. Mit dem dritten Werk «Alibi» wurde der Härtegrad in die Höhe geschoben. Damals lag das «Problem» an der eher «softeren» Stimme von Bert Heerink (damit will ich die Leistung nicht schmälern von Bert), da die Lieder auf die Stimme des Holländers zugeschnitten wurden. Das musikalische Ass war Gitarrist Adrian Vandenberg, der wenig später von David Coverdale zu Whitesnake geholt wurde und dort die Erfolge mit den Scheiben «1987» und «Slip Of The Tongue» feierte. Adrian gründet nach seiner Zeit bei der weissen Schlange Vandenberg’s MoonKings, mit denen er zwei Studioalben und eine Unplugged-Scheibe einspielte. Zwischen 2014 und 2019 ging‘s mit dieser Truppe schon einiges härter ans Werk, als noch in den Anfangszeiten. Nun formierte sich die Truppe wieder unter dem Namen Vandenberg, und was der Vierer hier abliefert, ist eines der geilsten Rockalben der letzten Jahre. Eindrücklich noch immer das Gitarrenspiel von Adrian und unglaublich die Stimme vom ehemaligen CoreLeoni-Sänger Ronnie Romero, der mit seinem kräftigen Organ Lieder wie das Led Zeppelin-artige «Hell And High Water» veredelt. Das in die Offensive gehende «Shadows Of The Night» klingt wie ein kleiner Bruder von «Burn» (Deep Purple mit David Coverdale). «Freight Train» schlägt in die gleiche Kerbe, während das halbballadeske «Let It Rain» ein Hit ist, den Gotthard nur auf den ersten zwei Scheiben schrieben. «Ride Like The Wind» überzeugt mit Adrians Gitarrenspiel. «Shitstorm» besticht durch seine kräftige Art, die dank dem Riff und der Stimme zu einem Hit wurde, der seinesgleichen sucht. «Light Up The Sky» erinnert vage und am ehesten an die Frühphase von Vandenberg. Unter die Haut geht die Ballade «Burning Heart», das aber eine Coverversion von... Vandenberg ist. Das Original findet man auf dem Debütalbum. Hier wird deutlich klar, wo die Unterschiede zwischen Bert und Ronnie liegen und welchen Qualitätssprung der Song dank Mister Romero macht. Das abwechslungsreiche «Skyfall» beendet ein Album von Musikern, die ihr Handwerk bestens verstehen und uns mit «2020» das perfektes Hard Rock-Werk abliefern. So klingt zeitlose Musik! Bleibt nur noch abzuklären, ob Trommler Brian Tichy (ehemals Whitesnake, The Dead Daisies) und Bassist Rudy Sarzo (ehemals Whitesnake, Dio, Quiet Riot) «nur» nur Gastmusiker sind...
Tinu   
Punkte: 10 von 10
SORCERER - Lamenting Of The Innocent (2 LPs, Ochre Brown Vinyl)
Metal Blade/Sony
Drei full length Alben in 32 Jahren hört sich nicht gerade nach einem Leistungsausweis an, und wenn diese erst weit in den 2000ern erschienen sind, noch weniger. Doch wie sagt man doch so schön: "better late than never!". Fakt ist, dass die jahrzehntelange Dominanz in Sachen Doom Metal aus Schweden, sprich Candlemass, nun definitiv vorbei ist, spätestens seit dem grandiosen Zweitling «The Crowning of The Fire King» von 2017. Mit diesem Hammer-Album im Gepäck führte die Reise mitunter auch in unsere kleine Schweiz, wo Sorcerer 2019 den allerersten CH-Auftritt (!) bestritten und nur noch verbrannte Erde hinterliessen. Die grundsätzlich positive Resonanz und weitere Auftritte, wie zum Beispiel am BYH!!! 2019, führten offenbar zur Aufnahme von weiteren Tätigkeiten, sprich dem Schreiben neuer Songs. Das Resultat dieser Bemühungen trägt den Titel «Lamenting Of The Innocent» und läuft unter dem oft schicksalsbehafteten "make it or break it!" Banner. Ein erster Durchlauf durch diesen über einstündigen Sound-Monolith hindurch lässt jedoch keinerlei Zweifel darüber aufkommen, dass Sorcerer noch nie besser waren!

In der Rhythmik ist die DNA der berühmten Landskollegen schon beim Opener «The Hammer Of Witches» nicht zu überhören, aber trotz dem düsteren Grundgerüst ist das Ganze mit mehr Melodiösität durchsetzt, was schon den sackstarken Vorgänger auszeichnete. Typisch zäher Lava-Doom folgt anschliessend beim überlangen Titeltrack, der gleich zu Beginn mit der genialen getragenen Bridge für die erste fette Gänsehaut sorgt. Wenn man sich hierzu den Gesang von Jennie-Ann Smith vorstellt, sind Avatarium nicht weit weg davon. Genial ist auch die beeindruckende Gitarrenarbeit von Kristian Niemann und Peter Hallgren sowie der mehrstimmige Gesang, der wunderbar eingebettet ist. Ganz zu schweigen davon, wie hammermässig geil die Leadvocals von Anders Engberg so oder so klingen. Dass es nicht nur mit der Brechstange geht, beweisen mitunter «Where Spirits Die» und das vergleichsweise zarte «Deliverance», wo nebst Guest Johan Langquist (Candlemass) sogar eine Acoustic-Guitar als Hauptinstrument und ein Cello (gespielt von Svante Henryson) zu hören sind, was für ein Juwel, das auch live ein Geheimtipp werden könnte! Zusammen mit der Top-Produktion ist «Lamenting Of The Innocent» das neue Referenzwerk in Sachen Epic Doom Metal!
Rockslave 
Punkte: 10 von 10
OPERUS – Score of Nightmares  (CD)
Pride & Joy Music
Wow, einfach WOW! Die Epic Metal Band Operus vereint Musiker aus dem Heavy Metal, der Klassik und der Musical-Branche. So entsteht eine Kombination, in der die Künstler ihr Wissen aus komplett verschiedenen Genres miteinbringen und so einen einzigartigen Metal-Stil entwickeln. Die sechsköpfige Gruppe wurde bereits 2005 gegründet, hat jedoch erst 2015 ihre erste EP veröffentlicht und mit «Score of Nightmares» kommt nun ihr zweites full-length Studioalbum auf den Markt. Grundsätzlich klingt Operus wie ein Heavy Metal-Musical – es werden treibende, harte Riffe mit epischen Melodien und Einlagen, diversen Tempo- und Stimmungswechseln sowie abwechslungsreichen Gesangparts kombiniert. Es klingt, als wollen die talentierten Musiker mit ihren Kompositionen eine Geschichte erzählen – das macht die Scheibe doppelt spannend. Die Lieder sind oftmals mehrstimmig aufgebaut, was den Eindruck des Musicals abermals unterstreicht. Choreinlagen spielen hierbei eine essenzielle Rolle – sie begleiten die Hauptstimme oder bilden Gegenstimmen. Oftmals bauen sich die Lieder so auf, dass letztendlich verschiedene Gesangsstimmen verworren und doch präzise übereinander gelagert werden. Dass David Michael Moote am Mikrophon in der Vergangenheit unter anderem die Hauptrollen in Jukebox Hero und Beauty & the Beast gesungen hat, überrascht überhaupt nicht. Und dementsprechend verblüfft er mit seiner hammer Stimme immer wieder aufs Neue! Im ersten Moment klingt es nach typischem Epic Metal, im nächsten erinnert der Gesang an eine harte Version einer Hofnarr-Performance und darauffolgend wird der Eindruck einer epischen, tragischen Todesszene eines Musicals erzeugt. Damit erweckt «Score of Nightmares» konstant die Aufmerksamkeit des Hörers und die Scheibe wird effektiv nie langweilig. Nach den ersten vier aufmüpfigen, heroischen und unterhaltsamen Songs wird ein herzerwärmender Wechsel eingelegt – «Echoes» ist ein relativ kurzes Klavierstück, melancholisch und sinnlich, welches abermals fasziniert und die klassische Seite Operus’ hervorbringt. Das Motiv wird dann im epischen «Where Falcons Fly» weitergesponnen. Das Album liefert folgend einen Knaller nach dem anderen, einer härter als der andere (plötzlich schiessen die Kanadier mit Blastbeats hervor), einer besser als der andere. Ehrlich – egal welche Worte ich in dieser Rezension verwende, ich werde dem Stil Operus’ niemals gerecht. Das muss gehört werden! Ob im Riffing, in den Gitarrensoli, den Gesangsparts, den orchestralen Einlagen im Vorder- oder Hintergrund oder den Rhythmen, auf allen Ebenen geht so viel vor sich; das ist unglaublich. Also lass eines gesagt sein – dieses Album ist nichts für Leute, die es gerne simpel und direkt haben, das kann «Scores of Nightmares» definitiv nicht bieten. Wer komplexe, harte, unterhaltsame, symphonische und epische Musik liebt, ist hier an der richtigen Adresse. «Scores of Nightmares» kommt ohne Zweifel auf meine 2020 Top-10 Liste!
Sina 
Punkte: 10 von 10
FELLWARDEN - Wreathed In Mourncloud  (CD)
Eisenwald
Melodische Gitarrenklänge leiten in das neuste Album von «Fellwarden» ein und begrüssen die Zuhörer. Bald kommen auch die Drumms und atmosphärischer Gesang dazu und machen das Ganze zu einer wogenden, mitreissenden Mischung. Doch die Engländer können nicht nur böse und brutal wie «A Premonotion» zeigt. Der Song ist ein reines Instrumental mit mystischen Klängen, welche eine ruhige Abwechslung zum vorherigen Schreigesang bietet. Ich bin immer wieder fasziniert, wie gewisse Künstler die Mischung aus melodiös und brutal zusammen mit dem krächzenden Gesang so einwandfrei hinbekommen. Und Fellwarden gehören da definitiv dazu, was sie in «The Elder Reckoning» nur allzu gut beweisen. Es geht weiter, mit einer gesunden Mischung aus harten Gitarrenriffen, Guturalgesang und Melodie. Obwohl das Album nur sieben Songs zählt, toppen diese durch ihre Länge und Vielfalt. Ich bin begeistert! Dieses Werk ist schon beinahe ein Muss in der Sammlung von Melo-Black Liebhabern.
Zoé   
Punkte: 9.5 von 10
REECE – Cacophony Of Souls  (CD)
El Puerto Records
Ja, ich finde nach wie vor, dass David eine der besten Stimmen hat im rockigen Metal, oder metallenen Rock-Bereich. Was? Ihr glaubt mir nicht? Da hört euch schnell den Opener «Chasing The Shadows» an. Diese Stimme hat Kraft, diese Stimme beinhaltet Hingabe und wenn Mister Reece nach dem Solo mit seiner tieferen Stimme singt, bleibt kein Arm ohne Hühnerfell! Als ob die letzte Tour zusammen mit U.D.O. seine Spuren hinterlassen hat, haut uns der Amerikaner ein Album um die Ohren, das selbst U.D.O. und Accept zuerst toppen müssen. Neben David ist es das Spiel von Andy Susemihl, dem ehemaligen Gitarristen von U.D.O. und Sinner. Was der Deutsche alles aus seinen Saiten zaubert, ist nach wie vor unglaublich. Virtuos und dennoch songdienlich soliert und rifft sich Andy durch die zwölf Tracks. Anspieltipp dazu: «Blood On Our Hands». Die Beiden kennen sich von früheren Reece- und Bangalore Choir-Scheiben. Das merkt man den Tracks an, denn mit der stilistischen Vielfalt trumpfen die beiden gross auf! Das getragene «Judgement Day», der rockige Hit «Collective Anaesthesia», der mit einer tiefen Stimme und an The 69 Eyes erinnernde Titeltrack, die gefühlvolle Ballade «Another Life Another Time», das Abrisskommando «Metal Voice», das leicht sphärische und hymnenhafte «Over And Over», das positive und hitverdächtige «A Perfect World», das Riff-Monster «Bleed» und der über alles ragende Schlusspunkt mit «No Disguise» zeigt David in einer nie zuvor erlebten Stärke. Freunde von Sinner über Accept bis zu Judas Priest müssen hier zugreifen. Eine unglaubliche Scheibe, welche U.D.O. nicht besser hinbekommen hätte mit einer Stimme, die nach wie vor unter die Haut geht und jedem Metal-Fan die Freudentränen in die Augen schiessen lässt.
Tinu  
Punkte: 9.5 von 10
DYNFARI – Myrkurs er þörf  (LP)
Code666 Records
Dynfari gehört definitiv zu den Aufsteiger-Bands aus Island. Seit der Gründung 2010 veröffentlichten die vier Mitglieder fünf Studio-Alben und gewannen laufend an Aufmerksamkeit, und das auch zu Recht. Der atmosphärische Black Metal der Gruppe ist einzigartig und packend und sorgte dafür, dass die Band von einem unbekannten Projekt zu einer der bekannteren isländischen Bands heranwuchs. «Dauðans dimmu dagar» stimmt uns mit einer atemberaubenden Melodie und Atmosphäre in das Album ein und kommt dabei völlig ohne Vocals aus. Der Track fängt von der ersten Minute erst leise und dann mit einem Instrument nach dem anderen an anzuschwellen, bis er in der Mitte seinen Höhepunkt erreicht. «Langar nætur (í botnlausum spíralstiga)» steigt direkt anschliessend voll ein und wird dabei von sehr emotionalen Vocals begleitet und durch eine stimmige Melodie und Riffs weitergetragen. Als nächstes folgt der Titeltrack «Myrkurs er þörf», der ruhig beginnt und einen mit einem Chorus aus Gitarre und Stimme direkt packt und weiter in das Album mitnimmt. Auch «Ég fálma gegnum tómið» beginnt ruhig und ist dabei aber noch etwas langsamer und schwerer, darauf kommen wieder die emotionalen Vocals, die den Song aufbrechen und ihn mit einem unglaublichen Solo begleitet in eine noch schwerere und melodischere Hälfte befördern. Gegen Ende kommt nochmal ein Starkes Solo, welches direkt in «Svefnlag» übergeht, der sogleich die Wogen glättet, denn dieser besteht nur aus einer Gitarre die ganz leise vor sich hin spielt und wie ein eigenes kleines Intro für «Ég tortímdi sjálfum mér» wirkt. Dieser startet sogleich mit einer verzerrten Gitarrennote und einer tieftraurigen Stimme, danach stösst noch das Schlagzeug und noch einige andere Vocals hinzu, was den Song erneut unglaublich einzigartig und atmosphärisch macht. «Peripheral Dreams» startet ebenfalls mit einer ruhigen Gitarre, dies aber nicht lang, nach kurzer zeit bricht der Song darüber ein und bläst uns volle Kanne Black Metal entgegen mit Solstafir-gleichen Vocals und schnellen Drums begleitet. Nach einem ruhigen Mittel- und Schluss-Part geht es direkt in «Of Suicide And Redemption» über, welches mit dem Bass beginnt und langsam ein Instrument nach dem anderen hinzu gewinnt. Der letzte Track ist noch einmal ein Querschnitt durch das ganze Album und lebt von schnellen und langsamen, melodischen und rohen Parts und von den verschiedensten Stimmlagen, die in diesem Album verwendet wurden. Das Album hat ein tolles Gesamtkonzept, ist in sich abgestimmt und fährt eine unglaubliche Stimmung und Atmosphäre auf. Definitiv ein Kandidat für meine Playlist.
Simu   
Punkte: 9.5 von 10
AURIUM – The Second Sun  (CD)
Art Gates Records
«The Second Sun» ist das dritte Studioalbum der serbischen Symphonic Metal Band Aurium. Der Bandname ist aus dem lateinischen Begriff «Tinnitus Aurium», Fachbegriff für das allbekannte Ohrensausen abgeleitet. Und ja, ein Tinnitus kann beim Anhören auftreten, da dieses Album in voller Lautstärke angehört werden soll! Aurium kombiniert harte Gitarrenriffs mit dichten symphonischen Klangwolken, mehrstimmigen Choreinlagen und fesselnden Tempowechsel. Sängerin Dragica Maletica kommt mit ihrer kräftigen Sopranstimme nahe an Tarja Turunen ran und allgemein sind oft drastische Parallelen zu den älteren Nightwish-Zeiten zu hören. Die symphonischen Akzentuierungen in den instrumentalen Motiven erinnern an die älteren Serenity-Alben. Es wird eine epische, düstere, melancholische und dann wieder erleuchtende Atmosphäre aufgebaut, in der man versinkt und die dich immer wieder aufs Neue überrascht. «Leaden Skies» an zweiter Stelle sticht mit seinem ergreifenden Motiv und hoher Komplexität hervor – einer meiner persönlichen Favoriten auf der Scheibe. Wenn man dann denkt, den einzigartigen Stil Auriums nach den ersten drei Liedern durchschaut zu haben, überrascht das Quintett mit Growl-Einlagen und Blastbeats in Track Nummer vier «Dead Landscapes». Das darauffolgende «Garbage Eater» reisst mit harten Heavy Metal Riffs mit, baut sich in einer symphonisch komplexen Klangwolke auf und verblüfft abermals. Das Album kann nicht langweilig werden – jeder Track fesselt mit neuen Stilelementen, sodass «The Second Sun» von A bis Z den Hörer mit Energie, wundervollen Melodien und harten Parts vollpumpt und sogleich die Lust nach mehr erweckt. An achter Stelle tritt eine Powerballade, die sich von ruhigen, verträumten Tönen immer mehr aufbaut und in einem groovigen, harten Hit endet, der wiederum einen einwandfreien Übergang zum melancholischen, sentimentalen «Reminiscence» bietet. Ehrlich, insbesondere in diesem Track sind die alten Nightwish-Tage mit Tarja offensichtlich abgezeichnet. Die Band ist ein Kandidat, um in der Symphonic Metal Szene gross aufzusteigen und an die Seite der Titanen zu treten. Jeder Fan von Nightwish, Xandria, Serenity, Epica oder den alten Within Temptation-Scheiben sollte sich dringend dieses Werk anhören. Ein Symphonic-Metal-Meisterwerk, mehr kann hier nicht gesagt werden.
Sina   
Punkte: 9.5 von 10
FALCONER – From A Dying Ember  (LP)
Metal Blade/Sony
Die schwedischen Folk/Power-Metaller Falconer sorgen mit ihrem neuen Album für eine riesige Überraschung. Gab ich dem letzten Werk «Black Moon Rising» noch magere sechs Punkte, weil mir alles zu schwammig und belanglos klang, ist ihnen sechs Jahre danach ein wahrer Killer gelungen. Die Pause hat in meinen Ohren sehr gut getan. Denn die neuen elf Lieder sind jedes ein kleiner Genie-Streich für sich. Dabei setzen Falconer auf maximale Abwechslung. «Desert Dreams» schwankt zwischen Folk-Metal und einem Refrain in bester Freedom Call-Manier, «Reedem And Repent» wirkt dagegen schon fast progressiv mit seinen Stimmungsschwankungen und geht ein wenig Richtung Blind Guardian. In eine Mittelalterfest kann man bei «Bland Sump Och Dy» eintauchen. Es ist ein ruhiges Stück, das mit verschiedenen Folkinstrumenten von einer Metalband unterstützt wird. Das Instrumental «Gamets And A Glided Rose» wirkt trotz seines fehlenden Gesangs sehr episch. Dazwischen spielen Falconer wieder geniale Lieder in der Schnittmenge zwischen Riffgewitter und Folk, bevor sie mit «Rejoice The Adorned» ganz ohne Schlagzeug, E-Bass und E-Gitarre nur durch Gesang, Klavier und Streicher einen Kontrapunkt setzen. So hält man Spannung auf einem Album aufrecht! Danach darf es wieder ordentlich krachen. Den Vogel schiesst aber «Thrust The Dagger Deep» ab. Seine Mischung aus Doom, zähen Hammondorgel, Folk, Heavy Metal und Prog ist schlicht einmalig. Alleine dafür gebührt dem Album einen Sonderstatus in jedem CD-Regal. Wer meint, dass nach zehn Lieder alles gesagt ist, der irrt. Im Abschliessenden «Rapture» werden zeitweise gar Black Metal-Elemente eingesetzt. Das ganze Paket macht «From A Dying Ember» zum bisher abwechslungsreichsten, eingängigsten und schlicht besten Falconer-Album. Es sollte in der Szene einschlagen wie ein Bombe und damit die normalen Brotjobs der Musiker trotz Pandemie überflüssig machen. Man darf gespannt sein.
Roger W.  
Punkte: 9.3 von 10
HOUSE OF LORDS – New World – New Eyes
Frontiers Music/Musikvertrieb
Noch immer geht mir das letzte Interview mit HOL-Sänger James Christian unter die Haut. Der damals an Krebs leidende Shouter berichtete ergreifend von seiner Krankheit und dass er hofft, bald das nächste Solo- und House Of Lords-Album veröffentlichten zu können. In der Zwischenzeit wurden «Craving» (Solo) und «Saint Of The Lost Souls» (HOL) released. Mit «New World – New Eyes» steht nun der nächste House Of Lord- Kracher in den Verkaufsregalen. Mit feinen Country-Einflüssen startet der Titeltrack, der mit tollen Chören ausgestattet noch immer die Merkmale von HOL verkörpert. Kräftige Stimme, knackige Riffs, fetter Rhythmusboden und das Ganze mit feinen Melodien ergänzt. Sehr rockig und mit viel Hitpotential und einer unglaublichen Lebensfreude gesegnet ist «One More». Wie auch «The Both Of Us», eine Nummer, die vom unglaublich treibenden und lockeren Schlagzeugspiel von BJ Zampa lebt. Mit viel Schmackes kommt «We’re All That We Got» um den Ecken geflogen, das mit seinem kernigen Riff (Jimi Bell) sofort zündet und dank der nach wie vor sehr kraftvollen und faszinieren Stimm von James zu einem weiteren House Of Lords-Hit wird. Auch die solistischen Momente von Jimi müssen lobende erwähnt werden. Virtuos und dennoch songdienlich. Der absolute Hardrock-Hit und kommende Klassiker ist «The Summit» mit einem an Def Leppard erinnernden Chorus und flotter Geschwindigkeit. Natürlich darf eine feine Ballade nicht fehlen. Immerhin ist «Love Don’t Lie» noch immer einer der grössten Hits der Amis. Auf dem neusten Streich überzeugt «Perfectly (Just You And I)» mit viel Gefühl. James hat mit seinen Jungs einmal mehr Qualität abgeliefert und überzeugt von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Tinu   
Punkte: 9.2 von 10
STYGIAN CROWN - Stygian Crown  (Gatefold LP)
Cruz Del Sur Music
Stygian Crown, die seit 2018 im Geschäft sind, geben mit dem gleichnamigen Album ihren Einstand. Das Intro "The Hall Of The Two Truths" ist nichtssagend. Harsch und doomig fängt es mit "Devour The Dead" eigentlich erst richtig an und der Gesang von Melissa Pinion ist sehr untypisch für diese Art von Musik. Das ist eher ein eindringliches Wehklagen als Gesang! Episch wird es mit "Up From The Depths" und die Geschwindigkeit bewegt sich im Mid Tempo-Bereich. Dieser Song macht gehörig Freude, vor allem, wenn er dann davon galoppiert und mit einem geilen Gitarrensolo veredelt wird. Mysteriös und auch geheimnisvoll wird die Stimmung bei "Through Divine Rite" und man begibt sich in seichtere Gewässer. Die Stimme von Melissa Pinion kommt in dieser Halbballade aber um so besser zur Geltung. Majestätisch thront der Gesang in "Flametongue" über allem, aber auch die Musik ist nicht von schlechten Eltern! Wie beim Vorgänger, wird die Spannung gekonnt über die ganze Spieldauer gehalten. Gemütlich kommt "When Old Gods Die" in die Gänge. Aber wenn der Donnergott sich entschieden hat, dass er grollen will, dann nimmt auch dieses Spektakel Gestalt an! So präsentieren Stygian Crown eine weitere Hymne, die ausserdem noch mit einem Gitarrensolo glänzen darf! Epic-Doom der Spitzenklasse bietet "Trampled Into The Earth". Genial, wie geschickt Stygian Crown die Geschwindigkeit variieren und so eine gewaltige Abwechslung an den Tag legen! "Two Coins For The Ferryman" darf dieses grossartige Album zum Ende bringen. Dieser Song brennt sich sofort auf der Festplatte des Gehirns ein und das vor allem wegen der unvergesslichen Melodie, die dieser Song besitzt. Ein absolutes Hammeralbum, das Stygian Crown hier abliefern und dieses Debüt-Album ist ein Highlight in Sachen Epic Doom im Jahre 2020!
Roolf   
Punkte: 9.2 von 10
ACARASH - Descend To Purity  (LP)
Dark Essence Records
Die Band Acarash kommt aus Oslo und bringt mit "Descend To Purity" ihr zweites Album unter die Leute. Geboten wird eine spezielle Mischung aus Hard Rock und Black Metal, so steht es zumindest im Beipackzettel des Labels! Der Titeltrack "Descend To Purity" zieht sich schleppend dahin und die Vocals weisen eine Black Metal-DNA auf. Durch Breaks gewinnt der Song extrem an Abwechslung. Traditioneller Black Metal im Mid Tempo-Bereich wird von Acarash feil geboten. Mit einem geilen Riff startet "Satanic Obsession" und wird richtig rockig! Der Beipackzettel hat also nicht zuviel versprochen. Geiler Song, der auch noch zusätzlich ein klassisches Gitarrensolo bietet. Rockig und groovig geht es mit "Desecrate Liberate" weiter und nur noch der Gesang hat etwas mit Black Metal zu tun. Die Qualität des Songs wird dadurch aber keinesfalls gemindert. Hier werden die ausgetrampelten Pfade bewusst verlassen und Acarash kochen ihr eigenes Süppchen. Doomig kommt "Goat, Skull, Ritual Fire" aus der Hölle und präsentiert Acarash wieder von einer anderen Seite. Es wird eine unheimliche und düstere Atmosphäre erzeugt und man fühlt sich aufgrund des hohen Düsterfaktors an frühe Black Sabbath erinnert. "Below Ceremonial" zelebriert Black Metal der norwegischen Prägung, und dieser Song macht wirklich gute Laune. Mehr in die Rock-Richtung geht "Three Knives" und vom garstigen Black Metal bleibt nur noch etwas in der Form des Sängers übrig. Ein gewaltige Stimmung wird aber auch so gekonnt erzeugt. "Steel Hunter" macht mächtig Spass, das ist ein richtiger Hit auf diesem Album. Die Lichter macht "Red Stone Betrayal" aus und melancholisch schlängelt sich dieser Song über die Runde. Nochmals werden sägende Riffs aufgefahren und so eine beklemmende Atmosphäre erzeugt. Acarash ist mit "Desecend To Purity" ein ganz geiles Album gelungen, und dieses Album kann mit ganz vielen Facetten aufwarten! Eindeutig der Geheimtipp des Monats meinerseits!
Roolf   
Punkte: 9.1 von 10
CREATURE - Ex Cathedra  (CD)
I, Voidhanger Records
Mit dem dritten Streich namens "Ex Cathedra" geben sich die Franzosen von Creature die Ehre. Progressiver Black Metal ohne Grenzen, heisst die wahre Bestimmung von Creature. Sehr verwirrend nimmt dieses Album mit "Fugue En Sol Mineur" seinen Anfang. Sehr orchestral, aber in der Geschwindigkeit eines TGV's, gehen Creature zu Werke. Gewisse Parallelen zu Fleshgod Apocalypse lässt sich nicht von der Hand weisen. Der Song hat etwas Erhabenes an sich. Furios geht es mit "zN5 mi" weiter und es wird ein weiteres Opus in Sachen Orchestral/Black Metal dargeboten. Wie der Sänger hingebungsvoll die Texte in Französisch hinschmettert, passt ausgezeichnet zur speziellen Musik. Stakkato-mässiges Riffing begrüsst uns zu "L'Odyssée Hyperpropulsee" und nun wird es sehr, sehr progressiv und aussergewöhnlich mit Bläsern und so! Klassisch mit Klaviergeklimper steigt man sehr ruhig in "Involution Expectations" ein, um dann eine gewaltige Symphonie aus dem Hut zu zaubern. Für die Blasmusik-Freunde unter euch ist auch in diesem Song wieder etwas mit dabei. "Note Anticosmique" bietet ein Instrumental mit einer sehr klassische Note von Creature und erinnert stark an Rondo Veneziano. Futuristisch und direkt aus dem Weltall scheint "Neo Habilis" zu kommen und dieser Song geht ab wie eine Rakete, die auf direktem Wege in die Umlauf-Bahn geschickt wird. Die Stakkato-Riffs donnern mächtig und der Song könnte für einen Film-Soundtrack verwendet werden. Wie der Aufmarsch des Heeres nach der General-Mobilmachung hört sich "Le Roi Zogue" an und man fragt sich, wo der Weg zur Schlacht hinführt? Brutal ist der Song "La Brièveté", der gnadenlos abgeht und das ohne Rücksicht auf Verluste! Geil sind die gehauchten Vocals! Dramatisch und mit Bläsern bläst "Atlantis" einem den Marsch und die Stakkato-Riffs dürfen auch wieder zum Einsatz kommen! Creature passen definitiv in keine Schublade, und das macht die Geschichte umso interessanter! An Abwechslung sind Creature fast nicht zu überbieten, aber die Songs verlieren trotzdem nie den roten Faden! Zum Schlussgang wird mit "Ethernellement" ein sehr vielseitiger Song serviert und nochmals überzeugen Creature abermals mit Qualität! Für Leute, die auf der endlosen Suche nach dem Aussergewöhnlichen sind, sollten Creature unbedingt ein oder besser zwei Ohren leihen!
Roolf    
Punkte: 9.1 von 10
SECRETS OF THE MOON - Black House  (Gatefold LP)
Lupus Lounge/Prophecy Productions
Shit... Nur schon der Vorgänger "Sun" hat bei mir tiefe Spuren hinterlassen, und jetzt kommt "Black House" um die Ecke - und haut gleich nochmals in die selbe Kerbe, einfach noch etwas deftiger. Black Metal spielen die Deutschen ja schon länger nicht mehr beziehungsweise haben sich aus diesem Genre herausgewühlt, "Sun" hat da auch klar aufgezeigt, in welche Richtung es gehen könnte. Und wie es das tut! Das neueste Werk versprüht immer noch eine unnahbare Atmosphäre, die sich schwer greifen lässt, wie eine Mischung aus Zorn, Wut, Trauer, Angst... Sucht euch etwas aus. Dark/Gothic Rock könnte man jetzt als grobe Stilrichtung angeben, Bands wie Lake Of Tears, Paradise Lost zu "One Second"-Zeiten, [SOON], Shadowgarden und ähnliche geben sich die Klinke in die Hand. Nehmt nur mal "Veronica's Room", das versprüht richtig 69 Eyes-Feeling! Ich persönlich finde "Black House" zwar nicht immer zugänglich, aber es versprüht eine ganz eigene Atmosphäre, die, wenn sie einen mal gepackt hat, nur schwer wieder loslässt. Fans der frühen Alben werden weiterhin keine Freude an den Deutschen haben, das ist klar. Aber dafür dürften sich nun einige neue einfinden. Packend!
Toby S. 
Punkte: 9.0 von 10
KENZINER – Phoenix   (Limited LP)
Pure Steel Records
Die Neoclassic / Progressive Power Metal Band Kenziner kommt mit ihrem vierten Studioalbum «Poenix» abermals zurück. Nach ihren ersten beiden Scheiben haben die Finnen eine lange Pause von fünfzehn Jahren eingelegt, nach der sie 2014 mit «The Last Horizen» wieder durchstarteten. Seither gab es zwei Wechsel im Line-up – mit «Pheonix» stellen sich Ariel Perchuk am Keyboard und Peter «Zinny» Zalesky am Mikrophon vor. Mit dieser neuen Zusammenstellung liefern die Titanen ihres Genres abermals ein Werk aus Gold. Voller Energie und Power, harten Riffs, verflochtenen Bridges und komplexen Rhythmen schreiten die Tracks nur so daher. Zinny begeistert mit seiner starken, kratzigen Stimme und komplettiert die hochkomplexen Kompositionen. Perchuk kann sein Können fabelhaft demonstrieren – die Keyboardeinlagen kommen auch auf dieser Scheibe nicht zu kurz. Diese erinnern oftmals an den Stil von Sonata Arctica. Insbesondere Track Nummer fünf «The Mirror» ist zu Beginn eine praktische Abwandlung von «Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited» und auch die Bridge könnte eins zu eins von Sonata sein. Aber auch Einflüsse von Stratovarius und Symphonic X sind unüberhörbar. Und dennoch ist der Stil Kenziners einzigartig und unverwechselbar. Das treibende Riff des Openers «Eye Of Horus» macht sogleich Stimmung, die eingängigen Refrains in «Tears of Destiny» oder «Poenix Rising» bleiben gleich hängen und «Curse of the Pharao» hat seinen total eigenen Touch. Mit minimalen symphonischen Elementen im Hintergrund wird noch mehr Power erzeugt, die Gitarrensoli ergreifen sofort in ihrer Virtuosität und die Refrains möchte man am liebsten gleich mitsingen. «Phoenix» fährt einen schmalen Pfad zwischen Power und Progressive Metal – eine perfekte Mischung aus beidem und somit ein Fall für Fans beider Genres! Kenziner spielen zudem durch das ganze Album mit diversen Stimmungen; mal sind es schöne, dann energiereiche, mal düstere und melancholische und dann wieder straight harte Melodien, die in Wechselwirkung aufeinanderprallen und sich gegenseitig ergänzen. So bleibt «Phoenix» durchgehend spannend, die Energie nimmt nicht ab und doch wird’s nie langweilig oder fad. Abermals überzeugen die Finnen und liefern ein fein ausgereiftes, durchdachtes und ins Detail ausgefeiltes Album, welches Spass macht und den Hörer mit Energie füllt.
Sina   
Punkte: 9.0 von 10
SHRAPNEL - Palace For The Insane  (LP)
Candlelight Records
Was haben die mich schon mit ihrem vorgängigen Album 'Raised On Decay' im 2017 schwer beeindruckt, so räumen Shrapnel mit 'Palace For The Insane' alle Bedenken beiseite und hauen mit ihrem dritten Longplayer 'Palace For The Insane' voll in die Fresse, gnadenlos. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass die dritte Scheibe entscheidet, ob eine Band viel Erfolg oder wenig Erfolg haben wird. Bei Shrapnel aus Norwich, United Kingdom, gegründet anno 2009, geht der Daumen ganz klar nach oben, ohne Wenn und Aber. Denn diesen genialen Thrash-Metal haben nur wenige Bands intus. Klar, kommen Vergleiche zu Testament, Forbidden, Exodus, Havok, etwas Megadeth und mit den weiteren, britischen Bands à la Xentrix, Slammer, etwas Acid Reign auf, doch Shrapnel legen sich genau in die Spalten, die sich zwischen all' diesen Bands sich öffnen, will schreiben: Hellyeah, gut gemacht! Was für eine hammerharte, druckvolle Produktion! Was für ein geniales, für die Ahnengalerie bestimmtes Coverartwork! Die Gitarren thrashen sich kontinuierlich durch die Songstrukturen, riffen sich stets groovend und abwechselnd durch die Gitarrenbünde. Die Soli jagen sich gegenseitig zur Höchstform auf, sowohl spielerisch als auch technisch. Chapeau! Dabei zeigt sich wieder einmal mehr: Lässt man sich Zeit beim Schreiben von neuen Songs für ein kommendes Album, so strotzt das Songwriting nur noch so vor Genialität, will schreiben: 'Palace For The Insane'. Der Tieftöner tänzelt virtuos, teils mit Walking-Bass-Anleihen, geschmeidig thrashend durch die 12 Tracks. Die Patterns des Schlagwerker lassen keinen Zweifel zu, dass die Double-Bass-Attacken, die genialen Mid-Tempo-Groove-Attacken und die allerlei anderen, filigranen Spielereien, einfach hammermässig! Die Vocals sind im tieferen, thrashigen Scream und Shout zu finden, alles klar verständlich, einfach eine Hammerstimme. Tja, Thrasher-Herz, was willst Du mehr? Eben: Shrapnel! Anspieltipps? Alle! Von 'Might Of Cygnus' bis zu 'Palace Of The Insane'. Mein Favorit? 'Salt The Earth'. So wird Thrash-Metal niemals aussterben. Habe fertig und zwar punktgenau, punktgenauer Ladung mit 10 Fausthieben voll in die Fresse!
Leopold   
Punkte: 9.0 von 10
SHOK PARIS - Full Metal Jacket (LP)
No Remorse Records
Die beiden noch übrig gebliebenen Ur-Members Vic Hix (v) und Ken Erb (g) glauben es wohl selber nicht recht, dass ausgerechnet im coronaverseuchten Jahr 2020 ein brandneues Shok Paris Album das Licht der Welt erblickt. Die Amis aus Ohio starteten ihre Karriere 1982 und brachten es bis zum Split 1989 auf drei Alben, wovon vor allem «Steel And Starlight» (1987) ein heller Stern am Power Metal Himmel war. Warum der Truppe der grössere Erfolg verwehrt blieb, gehört zu den unverständlichen Dramen des Music-Busniness, von denen es noch unzählige mehr gibt. Was jedoch frappant anmutet, ist die Gesangsstimme, die der von Black Angels Fronter Ronnie Philipps sehr nahe kommt, auch wenn dessen Vibrato etwas ausgeprägter ist. Sonst muss man da aber schon genau hinhören, um die beiden nicht zu verwechseln! Wenn man sich die «Steel...» vorher rein zieht, werden auch gewisse Erinnerungen an Warrior, sprich Parramore McCarthy wach, und diese Kult-Combo hätte es damals ja auch voll drauf gehabt, aber das ist eine andere Geschichte. Shok Paris restaurierten ihr Band-Vehikel 2009, sprich ganze zwei Dekaden später und mussten letztlich nochmals elf Jahre dran hängen, damit wir an dieser Stelle «Full Metal Jacket» rezensieren können, Wahnsinn! Doch das Warten hat sich gelohnt, denn erstens sind die Vibes von Judas Priest, Accept und Iron Maiden, die «Concrete Killers» (1989) prägten, nicht mehr so offensichtlich. Wobei Letztere sich beim Titeltrack und Opener zu Blaze Baileys Zeiten empfehlen und beim Bassspiel wie -stil grundsätzlich grüssen. Und eben..., würde Vic auf Tour plötzlich Halsweh kriegen, kann er getrost Ron anrufen, damit dieser für ihn einspringt. Die druckvolle wie organische Produktion treibt die Songs von «Full Metal Jacket» gnadenlos vor sich her und klingt gleichzeitig derart transparent, dass man Shok Paris im eigenen zu Hause spielen wähnt, grandios!
Rockslave   
Punkte: 9.0 von 10
VADER - Solitude In Madness  (Gatefold LP)
Nuclear Blast/Warner
Hellyeah, ein weiterer Death-Metal-Brocken mit einem neuen Highlight namens 'Solitude In Madness'. Es ist die Rede von keinem geringeren als Vader, den polnischen Urmonster des Death-Metals, aus Olsztyn, welche seit 1983 konstant Album um Album veröffentlichen, sich immer wieder neu erfinden und den Death-Metal stets konsequent weiter entwickelt haben. 'Solitude In Madness' enthält 11 Tracks, die den Death-Metal zelebrieren. War schon die vorangegangene EP 'Thy Messenger' ein Hammerteil, so ist nun mittlerweile der 16. Longplayer namens 'Solitude In Madness' die Kür. Geht ab brutal, mosht brutal, deathed brutal, blasted brutal, ist einfach brutal goil. Vader riffen sich konstant wie ein Minenpanzer vorwärts, ein kultiges Riff folgt dem nächsten kultigen Riff. Es ist ein herrliches Massaker von extremem Deathriffing, ohne dabei die jeweils thrashigen Momenten zu vergessen. Die Soli stehen auf einem sehr hohen Niveau, technisch wie spielerisch und ja, die Soli sorgen für die interessanten Breaks, denn die Riffs sind einfach geradeaus und kompromisslos. Dasselbe gilt dem Tieftöner, der diese musikalischen Finessen ohne zu zögern mitmacht, sich in die frickelnden Gitarrenebenen ebenfalls hinaufschwingt und solide mitmischelt. Interessant ist, wie sauber und rein der Bass klingt und dennoch, wie er eine unglaublich konstante Druckwelle auslöst und auf dieser mitreitet, durch alle 11 Songs auf 'Solitude In Madness'. Das Schlagwerk double-bassed meist konstant ebenfalls auf diesem technisch sehr hohen Niveau, reitet von einem Pattern zum anderen, wie auf Schienen geführt. Ja, es wird auch geblastet, gegrindet und die groovenden Mid-Tempo-Parts werden ebenfalls gepflegt intoniert. Der Gesang kratzt nahe am Gutturalen, doch sind es die tiefen, bösen, thrashig-deathigen Shouts und Screams, selbstredend allesamt sehr verständlich vorgetragen, welche den Gesamtsound perfekt vollendet. Eine hervorragend druckvolle und saubere Produktion rundet dieses ehrwürdige 'Solitude In Madness' ab. Oh, beinahe vergessen, dass kultige und ahnengalerienwürdige Coverartwork. Vader sind in einem Atemzug mit Cannibal Corpse, Nile, Morbid Angel, Suffocation, Deicide, Immolation, Death, Malevolent Creation, Monstrosity, Hate Eternal, Dying Fetus und weiteren Heroen dieses Death-Metals zu erwähnen. Anspieltipps sind selbstredend alle Songs, von 'Shock And Awe' bis zu 'Bones', denn da death-thrashed jedes Teilchen ohne Wenn und Aber. Masterpiece in Death-Metal!
Leopold  
Punkte: 9.0 von 10
ORMSKRIK - Ormskrik  (LP)
Fysisk Format
Ormskrik, 2015 entstanden, mit dem Debutalbum 'Ormskrik', auf welchem leicht thrashig-speediger Black-Metal gehuldigt wird. 11 Songs haben sich auf das Debut geschlichen und sich festgekrallt und dieser leicht thrashige Black macht alleweil ganz grosse Freude. Weshalb? Nun, es lässt den blackigen Sound noch vielseitiger und eben blackiger erschallen, denn die Thrashelemente brennen sich fest, so dass genügend Platz und Energie für den Black geschaffen wird, welcher selbstredend mit blastenden Elementen zügig intoniert wird, teils auch mit schnellen, hymnenhaften Passagen. Zudem ist 'Ormskrik' richtig goil produziert; klar, druckvoll, sauber und einfach voll in die Fritte. Angelehnt an die ersten Gehschritte im thrashigen Black à la Venom, Bathory bis zur ersten Slayer-Scheibe oder den kultigen Immortal, Destruction und Sodom. Aha, jetzt ist die Richtung mal vage vorgegeben. Yep, denn die thrashigen Parts zeichnen den traditionellen Black-Metal von Ormskrik aus, brandmarken diesen regelrecht. Da wird kurz, heftig und schnell in den Soli geshreddert, die Mainriffs rasen im Hypertempo auf den Saiten, sofern es eben keine thrashig-groovigen Riffs sind, denn die sind eher im Mid-Tempo bzw. Nackenbrecherbereich anzusiedeln. Der Tieftöner ist definitiv nicht in skandinavischer Manier gesounded, will schreiben, dass dieser sehr rein und klar rüberkommt. Die Drumpatterns reichen von eben speedig, groovig, thrashigen Hauptmomenten, in Abwechslung mit den blackigen, blastbeatenden Elementen, ja sogar leicht grindcorig, in nochmaliger Abwechslung mit den straighten Double-Bass-Pattern. Ja, die Vocals erinnern etwas an The Black Dahlia Murder, doch unabhängig davon, sind diese Stimmbänder in den Gegenden von leicht gutturalem Gesang bis zu den 'dreckigen', tiefen, hasserfüllten Screams und Shouts, wie diese oft in den brutaleren Thrash-Metal-Bands eingesetzt werden, zu finden. Abgerundet mit einem herrlichen Coverartwork macht 'Ormskrik' einfach höllischen Spass. Anspieltipps wären 'Destroyer Of Worlds', 'Descend To Madness' oder 'Hecatomb', doch sind alle Tracks potentielle Anspieltipps. Black-Metal mit sehr grossem Überraschungswert.
Leopold   
Punkte: 9.0 von 10
VEGA – Grit Your Teeth  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Vega hat sich bei mir in den letzten Jahren von einem Geheimtipp, zu einer richtig geilen und beständigen Truppe gemausert. Die «pfeffrige» Stimme von Nick Workman, die es immer wieder fertigbringt dem Track eine tolle Melodie einzuhauchen sowie die Gitarren von Marcus Thurston und Mikey Kew bleiben auch auf «Grit Your Teeth» die Merkmale der Engländer. Irgendwo zwischen Gun und Def Leppard rockt sich das Sextett erneut gefühlvoll durch die elf Tracks. Herausragend einmal mehr ein sich aufbauender Song wie «(I Don’t Need) Perfection». Bewusst wird auch auf dieser Scheibe das Keyboards passend den Tracks untergeordnet eingestreut. So bleibt zum Beispiel der Titelsong, ein hart rockender Moment, den man vage auch mit den alten Skid Row vergleichen kann. «Man On A Mission» ist ein rockiger, an KISS erinnernder Hit, der förmlich vor Spielfreude tropft. Wie auf jedem Album, hat es auf dem neusten Streich diese sich sofort ins Gehört bohrenden Songs, die melodisch, aber mit genügend Härte ausgestattet viel Freude bereiten. «This One’s For You», «Save Me From Myself», und «How We Life» gehören dazu und werten das Album zusätzlich auf. Wieso Vega nicht schon lang in aller Munde sind, bleibt eines dieser vielen Geheimnisse im Musikbusiness, das wie immer die Ohren und Augen offen hält und lieber «One Hit Wonder» produziert und dann gleich wieder fallen lässt. Hier ist eine Truppe, die mittlerweile mit dem sechsten Album immer eins veröffentlichte. QUALITÄT! Also liebe Leserschaft, gebt dieser Truppe die Chance, die sie sich verdient. Wer auf Def Leppard, Gun, Danger Danger, Tangier oder einfach sensationellen Hardrock steht, muss hier zugreifen!
Tinu   
Punkte: 9.0 von 10
VELKHANOS - The Wrath  (CD)
Art Gates Records
Kaum hat das Album begonnen, geht es schon richtig los, die spanische Band Velkhanos haut so richtig auf den Putz. Nach einem kurzen mystischen Intro dröhnen rasende Gitarrenriffe los, Drums hämmern und es erklingt ein tiefer Schreigesang. Als ob das noch nicht genug wäre, setzt dann noch starker Frauengesang ein und es entsteht eine brutale und doch extrem melodische Mischung. Vor allem als dann eine ruhige, melodiöse Bridge erklingt, ist alles an Abwechslung vorhanden, was es braucht um einen Song vielfältig zu gestalten. Wir sind jetzt erst beim ersten Song des Albums und ich bin schon hin und weg. «Black Omen» zieht im gleichen Tempo weiter, man hört auch hier verschiedene rein instrumentelle Breaks, in welchen die Musiker zeigen, was sie draufhaben, hier gibt es aber im Unterschied noch Chorgesang zu hören. Echt cool! Ab diesem Punkt wird es nur noch brutaler, die Gitarrenriffe werden schneller, der Gesang dämonischer, man hört weinende Kinder, die weichen Parts werden immer weniger. Obwohl der Frauengesang im Verlauf des Albums immer wieder einsetzt wird es immer düsterer, doch die helle Stimme setzt damit einen eigenen Akzent, welcher diese beiden Gegenteile umso mehr hervorhebt. Seinen Ausklang findet das Album dann wieder in einem ruhigen Song. Komplett Gesangslos aber durchzogen von einer einfachen Melodie schliesst «Capricho Arabe» das Werk ab.
Zoé   
Punkte  9.0 von 10
SODOMISERY - The Great Demise  (LP)
Testimony Records
Mit 'The Great Demise' folgt das Debutalbum, also der erste Longplayer, der 2015 in Stockholm, Sverige, gegründeten Sodomisery. Well, ist ganz goiler, leicht blackiger Death-Metal, welchen Sodomisery zelebriert und ja, sie klingen gar nicht 'skandinavisch'. Die Produktion ist sehr sauber und druckvoll, die Growls kommen eher dem amerikanischen Death-Genre zugute. Auch sonst ist das Songwriting sehr nach dem 'über den grossen Teich' angelehnt und so ist es kaum verwunderlich, dass eher Grössen wie Immolation, Malevolent Creation, Hate Eternal, etwas Morbid Angel und Konsorten herhalten, für den Vergleich, wohl bemerkt, denn Sodomisery verfolgen auf 'The Great Demise' einen eigenen, konsequenten Weg. Zudem strotzt das Debutalbum mit einem herrlichen Coverartwork, was ebenfalls den Weg in die Ahnengalerie freipflastert. Die beiden Gitarren deathen, was das Zeugs hält, will schreiben, dass die Riffs stets schwer, leicht thrashend, daherrasen, ab und an sich ins Blackadeske verziehen, jedoch sogleich wieder sich in den Death betten. Ja, hymnenhafte Sequenzen werden durchaus kreiert, atmosphärisch-blackige Momente stets generiert. Interessant kommt auch der Aspekt zum Tragen, dass die Soli stets melodiös, filigran, gefrickelt, geshreddert und einfach solide sind. Der Tieftöner trägt sauber seine Bassläufe hinzu, mal virtuos, mal einfach groovend und dem Songwriting dienlich, jedoch eben nicht 'skandinavisch' leicht punkig, hardcorig scheppernd. Die Drums blasten, grindcoren, meist jedoch straight in Double-Bass-Manier dahinpatternd. Doch bei den melodiösen Momenten öffnen sich auch beim Schlagwerk die Mid-Tempo-Passagen passend. Der Gesang kommt richtig goil tief screamend und shoutend, leicht am Gutturalen kratzend, doch stets verständlich. Alles in allem sind die Stimmbänder eher im shoutenden, tiefen Death-Metal-Voicing. Anspieltipps wären da 'Into The Cold', 'Sacrifice', 'In The Void' oder 'Arise'. Goil!
Leopold    
Punkte: 8.9 von 10
ILLUMISHADE – ECLYPTIC: Wake of Shadows
Eigenvertrieb
Enter the world of Illumishade! Diese Gesangsstimme ist gleich zu erkennen – Sängerin Fabienne Erni und Gitarrist Jonas Wolf von Eluveitie starten ein neues Projekt namens Illumishade. Hierbei handelt es sich um Fabiennes Masterprojekt an der ZHdK (Zürcher Hochschule der Künste). Zusammen mit Yannick Urbanczik (Bass), Marc Friedrich (Drums) und Komponistin Mirjam Schnedl (Synth & Orchestrations) wird ein Konzeptalbum umgesetzt, welches uns eine neue magische Welt vorstellt. Diese besagt, dass die Welt nur existieren könne, wenn der magische Kristall nicht zerstört werde. Um diesen zu schützen, werden aus den fünf in der Magiewelt präsenten Völkerstämmen je einen Schutzgott, die sogenannten Illumi (so werden ebenfalls die fünf Musiker bezeichnet) aufgestellt – und um diese Stämme sowie die Illumi geht es in diesem Album! Musikalisch deckt das Werk die ganze Bandbreite zwischen Rock und Symphonic Metal ab. Nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch taucht der Hörer sofort in eine neue Welt ein und versinkt in den Melodien Illumishades. Das Werk liefert alles – von harten Gitarrenriffs, energiereichen Refrains zu sinnlichen, verträumten Balladen und atmosphärischen Parts. Das Album wird mit Streichern, Möwengeschrei, ritualhaften Perkussionseinlagen und einer schönen Gitarrenmelodie in «Passage Through the Cloud» eröffnet. Gleich wird im Verlauf klar, wie komplex dieses Scheibe wirklich ist. Denn der zweite Song «The Calling Winds» wirkt wiederum so, als würde er die Stimmung mit einem schleppenden Riff und sinnlichem Gesang für den folgenden energiereichen Knaller «Tales of Time» aufbauen. Darin ist ebenfalls Chrigel Glanzmann von Eluveitie zu hören – spannend diese Kombo mal ausserhalb des Volk Metals zu hören. Ab diesem Track ist die Welt Illumishade vollkommen aufgebaut und präsent. Fortlaufend werden atmosphärische, verträumte und harte Tracks geliefert, die nicht einzeln, sondern zusammen als Ganzes betrachtet werden sollen. Trotzdem muss hier noch gesagt werden, dass an sechster Stelle die Ballade «What Have I Become» speziell heraussticht und ergreift. ECLYPTIC: Wake of Shadows ist musikalisch sowie thematisch eine Reise auf allen Ebenen – es wird eine unwiderstehliche Dynamik erzeugt. Fabienne Erni berührt mit ihrer kräftigen schönen Stimme, mit der sie durchgehend passend spielt und so den Hörer an ihren ausgedrückten Emotionen teilhaben lässt. Bei jedem weiteren Durchhören fallen neue Feinheiten auf und so durchkämmt man die hergestellte Welt Illumishades in jedem kleinsten Detail. Ein gelungenes Konzeptalbum, in welches unbedingt abgetaucht werden sollte!
Sina   
Punkte: 8.8 von 10
BLACK RAINBOWS - Cosmic Ritual Supertrip  (Colored LP)
Heavy Psych Sounds Records
Was sich vor zwei Jahren mit dem Vorgänger “Pandaemonium” bereits andeutete, wird jetzt durch den achten Langdreher des römischen Stoner/Psych-Trios Black Rainbows bestätigt: Die Band hat endlich ihre volle Reife erreicht. Auf „Cosmic Ritual Supertrip“ (der Titel ist dermassen klischeehaft, dass er schon fast augenzwinkernd selbstironisch wirkt) ziehen die drei Musiker sämtliche Register und reichern ihren fuzzlastigen Stoner Rock mehr denn je mit reichlich Elementen sämtlicher affiner Musikgenres an. Mit dem flotten Opener „At Midnight You Cry“ setzt man erst mal den ersten Stoner-Akzent, um unmittelbar danach mit dem verdrogten Heavy Blues-Fiebertrip namens „Universal Phase“ zu überraschen. „Radio 666“ bewegt sich irgendwo zwischen Monster Magnet und Wolfmother, „Isolation“ würde auch auf einem Danko Jones-Album eine gute Figur machen, „Hypnotized By The Solenoid“ hingegen ist lupenreiner Space Rock mit wirklich dicken Eiern, während dem „Master Rocket Power Blast“ von Overkill eingeprügelt eine Thrash-Granate allererster Güte ergeben würde. Soviel Abwechslung auf gleichbleibend hohem Energielevel macht einfach Spass, und ich kann ohne zu erröten behaupten, dass die Jungs mit „Cosmic Ritual Supertrip“ ihr bisher stärkstes Werk abgeliefert haben. Wer sich mit Vorliebe im Stoner/Space/Heavy Psych/Desert-Universum bewegt, kommt um diese Veröffentlichung nicht herum.
Mirko B. 
Punkte: 8.8 von 10
HAIL SPIRIT NOIR – Eden In Reverse  (LP)
Agonia Records
The Night Flight Orchestra wird mittlerweile wohl den meisten bekannt sein. Die Anlehnung an die Prog-Rock Grössen der 70er und 80er Jahre verhalf der Band international zum Durchbruch und lässt die Anzahl der Konzertbesucher ständig steigen. Hail Spirit Noir wird dagegen wohl deutlich weniger Leuten ein Begriff sein, zumal die Griechen mit den Wurzeln im Black Metal auch weitaus weniger fleissig neue Alben der breiten Öffentlichkeit präsentieren. Mit „Eden In Reverse“ steht nun aber das neue Werk in den Startlöchern und dies braucht sich definitiv nich zu verstecken. Doch aufgepasst, während sich bei The Night Flight Orchestra die Gute Laune manifestiert, ist Hail Spirit Noir die Kehrseite. Der Psychodelic-Rock/Metal mit teils heftiger experimenteller Ausprägung ist nicht für einen fröhlichen Retro-Abend gedacht, sondern betont die depressivere Seite der 70er und 80er Jahre. Auch wenn von den Black Metal Wurzeln bei der Band fast nichts mehr übrig blieb, so könnte man doch sagen, dass zumindest die dunkle Atmosphäre den Sprung in die Gegenwart geschafft hat. Stranger Things trifft auf den Soundtrack von der Serie Timm Thaler und die Melancholie von „L'été indien“, dies hinterlegt mit Gitarrensound wird in die aktuelle Zeit transferiert. Was Hail Spirit Noir erstaunlich im Griff hat ist die Ausgewogenheit zwischen den Psychodelic- und Experimental Klängen versus den Melodien, welche den Zuhörer bei Verstand halten. Dies gleicht zwar teilweise einer Wanderung auf einem schmalen Grat, doch „Eden In Reverse“ lässt den Zuhörer nicht abstürzen, auch wenn manchmal die Balance etwas verloren geht. Trotz der hohen Wertung sei aber gesagt, „Eden In Reverse“ ist kein Album für die Masse, dafür ist es teils zu abgedreht, doch genau wegen dem auch sehr spannend und wenn man in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen ist, dann gleicht das Werk einem faszinierenden Ausflug zurück in diese Zeit. Wer also neben den neusten Opeth auch alte Pink Floy und Tiamat Scheiben nebeneinander stehen hat, sich gerne in der Melancholie von Katatonia wälzt und keine Probleme mit Synth- und Experimentellen Klängen hat der sollte hier unbedingt ein Auge auf „Eden In Reverse“ werfen. Als Einstieg würde ich erst mal „Crossroads“ und „The First Ape On New Earth“ empfehlen, diese sind auch gleich die härtesten Nummern und bleibt dabei die Faszination erhalten, geht weiter von „Incense Swirls“ über „Alien Lip Reading“ bis zum finalen „Automata 1980“. Wem also The Night Flight Orchestra schlicht zu nett sind, der hat mit Hail Spirit Noir das passende Gegenstück gefunden.
R.K. 
Punkte: 8.8 von 10
LINED – Soulcrifice  (CD)
Art Gates Records
Bei Lined handelt es sich um eine fünfköpfige Death/Thrash Metal-Band, die sich 2007 im Baskenland gegründet hat. Die kreativen Köpfe Rubén (Drummer) und Andoni (Guitar) haben 2009 ihr selbstbetiteltes Debütalbum rausgehauen, nach dessen Veröffentlichung aber schnell Ruhe einkehrte. Nach vielen Besetzungswechseln und Jahren der harten Arbeit steht jetzt, 11 Jahre nach dem Debüt, ihr Zweitling „Soulcrifice“ in den Startlöchern. Lined haben die zehn Jahre wirklich gebraucht, um kreative Killerriffs und solide Gitarrenmelodien zu schreiben. Das Intro „Bad Omen“ und der Opener „Rotten Society“ geben einen guten Einblick in das Können der aktuellen Besetzung. Die Gitarrenparts nehmen eine tragende Rolle ein und dröhnen direkt nach vorne. Die verschiedenen Melodiebögen verhelfen den Songs zu einer ganz eigenen Dynamik und Dramatik. „Nowhere To Run“ ist so ein Song, bei dem alle Elemente von Lineds Sound zusammen kommen. Das Stück startet relativ gemächlich mit düsteren Gitarrenparts, die sich unter Drum-Salven zum ersten Refrain hocharbeiten. Von da an wechseln sich dunkle, thrashige Momente mit Blastbeat-Attacken ab und harmonische Gitarrenlicks geben dem Song den Rest an Qualität. Die Produktion von „Soulcrifice“ ist satt und druckvoll und sollte eigentlich alte Fans sowie Frischlinge gleichermassen glücklich machen. Lined ist auch nach einer durstvollen Dekade ein musikalischer Nackenbrecher gelungen.
Oliver H. 
Punkte: 8.8 von 10
EISREGEN - Leblos  (Gatefold Red Vinyl)
Massacre Records
Nun, Eisregen muss man wohl kaum noch jemandem vorstellen. Die Thüringer Todesmaschine walzt seit längerer Zeit durch die Botanik und brachte zumindest früher regelmässig Eltern und die deutsche BPJS, heute BPJM, zur Verzweiflung. Was hat es da nicht alles an Vorurteilen, Bannsprüchen und Indexierungen gegeben. Das Ganze hat sich mit der Zeit etwas gelegt, allerdings sind Eisregen nach wie vor ihrer Linie treu geblieben und verbinden extremeren Metal mit bösen Melodien und noch böseren Texten. Sänger/Schreihals Blutkehle wütet noch angepisster als auf den Vorgängern, während die Melodie-Fraktion beinahe noch virtuoser zu Werke geht als zuvor. Mehr muss man da echt nicht sagen, ich persönlich lasse da lieber Eisregen für sich selber sprechen. Doch vorsicht, der Inhalt der Texte ist echt brutal. Verstörend!
Toby S. 
Punkte: 8.7 von 10
TUPLE – Wooden Box  (CD)
AOR Heaven
Tuple ist der Spitzname des Finnen Tommi Salmela. Der Mann konnte vorallem als Sänger von Tarot und Lazy Bonez auf sich aufmerksam machen, war aber auch an diversen weiteren Projekten und Bands beteiligt. Nun wird der gute Tuple mit einem Soloalbum vorstellig. Als Partner holte er seinen alten Freund Riitis mit ins Boot, der die Gitarre, Keyboards und Loops beisteuerte und zudem sämtliche, auf Tuples Leben basierende, Songs verfasste. Musikalisch bewegt sich der Vocalist in seinem angestammten Umfeld. Das bedeutet, unter dem Banner des Melodic vereint er knackigen Hard Rock und satten Heavy Metal. Dabei wurde der Sound sehr voluminös und kraftvoll umgesetzt. Die Songs besitzen ausgesprochen viel Drive. Das Material besticht praktisch durchs Band durch hohe Eingängikeit. Diverse Refrains gehen umgehend ins Ohr und vermögen sich dort auch zu halten. Musikalisch wurde die Scheibe glücklicherweise sehr gitarrenlastig initiert. Das Keyboard dient als passende Ergänzung zur Sechsaitigen, und so resultiert der Sound im melodiösen Bombast-Metal. Ein Soloalbum eines kaum bekannten Sängers kann selten Akzente setzen. Hier verhält es sich anders. Tuple hat eine starke Scheibe fabriziert, der zwingend eine Chance gegeben werden muss.
Chris C.  
Punkte: 8.7 von 10
HORNWOOD FELL - Cursed Thoughts  (CD)
Kadabara Music
Heftiger, straighter Black-Metal mit tiefen Screams and Shouts schallt uns auf 'Cursed Thoughts' entgegen, den zwei Brüdern Basili, namentlich Andrea und Marco. Yep, italienischer, double-bass-heftiger Black aus Lazio, Italia. Heftig-goile Produktion, klar, druckvoll. Das Coverartwork ist hierzu sehr avantgardistisch gehalten, zum Gehörten. Erinnert mich zeitweise etwas an die letzten Sarcofago, etwas Dimmu Borgir, Immortal, aber auch ab und an etwas Bathory und Venom sind herauszuhören. Nun, 13 Tracks haben sich auf 'Cursed Thoughts', dem bereits siebten Longplayer seit der Gründung anno 2013. Ist Andrea für das Schlagwerk zuständig, so übernimmt Marco den Tieftöner, die Lead- & Ryhthmguitars als auch die herrlichen Vocals. Intelligenter Black-Metal, der sich nicht scheut, seine Ingredienzien auch aus dem Death-, Thrash-, Speed-Metal zu holen, um eben den siebten Longplayer heftig ausfallen zu lassen, diesen mit interessantem Songwriting zu versehen und eine wahrlich 'versteckte' Perle zu kreieren. Die Drums sind varianten- und abwechslungsreich gepatterned, mal blastend oder gar grindcorig daherreitend, mal straight double-bass-attackierend, mal wild wirbelnd thrashig und speedig, jedoch stets groovend, mit Hinzunahmen des variantenreichen Beckenspiels sehr eigen. Die Gitarren riffen sich rasend im Hispeed-Tempo durch die Songs, gepaart mit ab und an deathigen Groovemomenten, dann wieder sehr langsame und schwere Riffgewitter. Die Soli sind meist shreddernd, hingegen die Melodylines sehr kontrastproduktiv zu den schweren Riffs. Der Tieftöner passt sich diesem frickelnden Riffgewitter an, sticht klar zu den Gitarren heraus, nicht scheppernd wie im skandinavischen Black meist intoniert, sondern sauber und untermalend, das perfekte Bindeglied zwischen den Drums und der Gitarren. Die Vocals sind einfach einmalig, passen hervorragend zum Black, nicht zu hoch, schön mittelmässig tief, einplatziert in die Songstrukturen von 'Cursed Thoughts'. Anspieltipps wären da 'Magnetic Horror', 'The Spiritual Dawn', 'The Spirits Of The Dead', 'The Lake' oder 'The Valley Of Unrest'.
Leopold   
Punkte: 8.7 von 10
BARISHI - Old Smoke  (CD)
Season Of Mist/Irascible
Sehr schleppend, nicht unbedingt doomig, eher zähfliessend greift der progressiv angehauchte Metal, auf einer Weise wäre es, vor allem durch die Soundwucht, ein powervoller Metal, ergo: progressiver Power-Metal, mit durch den in den leicht gutturalen Gängen gehaltenen Vocals astreiner Death-Metal, was uns die US-Amerikaner von Barishi mit 'Old Smoke', den vierten Longplayer der Bandgeschichte, seit der Gründung im Jahre 2012, uns daherfliessen lassen. So, nein, kein längster Startsatz einer Rezession, sondern das musikalisch Dargebotene in Hörform, yep. Es haben sich 6 Tracks auf den Viertling gut positionert. Soundtechnisch erinnert es mich etwas auch an Confessor, Cynic (in den Space-Momenten), Atheist (in den Samba-Momenten), Opeth oder Howling Sycamore. Im ersten Anflug des Zuhörens und Entdeckens von 'Old Smoke' sind mir teil leicht stonersche und alternativsche Noten aufgefallen und je mehr ich mich in dieses Scheibchen reinknie, desto mehr fällt mir auf, speziell spieltechnisch, die Tendenz, zu den bereits deathigen Sangeskünsten, zu eben besagtem Death-Metal. Ja, endlich, hier gibt's herrliche, solodeske Ausflüge und Momente, technisch auf einem hohen Niveau, sauber intoniert. Doch nebst dem frickelnden Etwas ist das sehr interessante, progressive, leicht technische Riffing etwas vom Eindrücklichsten, was sich in den Gehörgängen sich problemlos einnistet. Variantenreiches Frickeln mit Elementen aus dem progressiven Power-, Speed-, Thrash-, leichtem Doom- und eben besagtem Death-Metal. Der Tieftöner stammt soundakustisch aus dem eher stonerschen, alternativen Eckchen, passt sich jedoch sehr virtuos in die Songstrukturen ein und gibt dem Gesamtsound eben besagten Wiedererkennungswert. Die Drumpatterns wechseln von langsamen, doomigen Patterns zu progressivem, double-basslastigen wie auch blastbeatenden Momenten, gepaart mit leicht vertrakten und doch straighten, groovenden Mid-Tempo-Parts. Die Vocals erinnern nun eben etwas auch an Coroner, Cynic und Atheist, da diese guttural gehalten sind, zumindest meist, oder dann eben den verrauchten, thrashigen Shout enthalten. Nicht vergessen, Barishi sind ein Trio. Das Coverartwork ziert diese weitreichende, progressive Spannweite, von Confessor über Opeth zu Atheist. Anspieltipps wären da 'Blood Aurora', 'The Longhunter' oder 'Entombed In Gold Forver'. Trotz vermeintlicher 'EP-Form' (= Songanzahli) ist 'Old Smoke' ein full-length Longplayer mit 49:47 Minuten geworden.
Leopold  
Punkte: 8.5 von 10
AVERSIO HUMANITATIS – Behold The Silent Dwellers  (CD)
Debemur Morti Productions
Das Vier-Mann-Projekt. mit dem wir es hier zu tun haben, wurde 2010 in Madrid, Spanien gegründet und hat seit dem zwei Studioalben, zwei Splits und eine EP veröffentlicht. Der Sound ist schnell und wütend und grenzt sich nicht gross vom typischen Klang des Second Wave Black Metal ab, wie wir ihn kennen. Track Nummer eins ist «The Weaver Of Tendos», welcher ohne intro zurechtkommt und direkt voll mit schnellen Drums und harten Riffs durchstartet. Nur in der Mitte des Songs gibt es eine kleine, melodische Pause, bevor wir mit ganzer Kraft weiterfahren in den nächsten Track «The Presence In The Mist». Dieser verläuft etwas Langsamer und schleppt sich, begleitet von Klagenden Vocals, weiter durch das Album. «The Sculptor Of Thoughts» legt mit dem Tempo wieder einen drauf und hat dabei noch eine sehr einprägsamen Melodie am Start. Auch die Vocals werden hier etwas rauer und wütender. Selbiges zählt auch für «The Wanderer Of Abstract Paths», welcher einen sehr mächtigen Sound fährt und eine starke Atmosphäre erschafft. Gerade gegen Ende des Songs ist der ein echtes Brett. Mein Favorit des Albums mit Sicherheit «The Watcher In The Walls». Der schlägt in die gleiche Kerbe wie der erste Track und führt uns somit fliessend weiter zum Abschluss: «The Scribe Of Dust». Hier hört man nochmals alles, was das Album vereint. Tempo, Melodic-Parts, klagende und kraftvolle Vocals, alles mit dabei. Das Album ist ein schönes Gesamtkonzept und birgt viel Abwechslung dafür, dass es nur sechs Tracks lang ist. Ich werde es mir noch einige Male durchhören, um festzustellen, ob es auch langzeitig spannend bleibt, aber laut meiner ersten Einschätzung haben wir mit «Behold The Silent Dwellers» eine solide Scheibe in der Hand.
Simu   
Punkte: 8.5 von 10
ANUBIS GATE - Covered In Colors
Nightmare Records
Die ist ein komplettes Cover-Album. Thematisch aufgeteilt in 5 Parts. Als 1. "Starters Still Life In Mobile Homes" von Japan, "Red" von King Krimson und "Plantage" von Under Byen. Man muss dazu sagen, dass alle Sengs umarrangiert worden sind, zum Teil echt krass. Das zeigt das Können und die Vielseitigkeit der Dänen, die nun schon 20 Jahre in der Prog-Szene mitmischen. Part 2. "The Jazz Metal Lounge" beinhaltet ebenfalls 3 Songs. "Experiment" von Voivod, krass geil gespielt. "Cromazone" von Mike Stern und "Glamour Profession" von Steely Dan. Part 3. "The Beautiful Ones". Hier versucht man es an "Entangled" von Genesis und "Atlas" von Coldplay. Der Genesis-Song isz übrigens sehr gut gelungen, das Feeling perfekt eingefangen. Dann folgt der "Eighties Corner" mit Mike Oldfields "To France", eine wunderschöne Nummer, perfekt umgesetzt. Dann "Fade To Grey" von Visage, war ich ja erst sehr skeptisch. Ich fand das Stück in der 80ern schon scheisse. Aber was die Dänen da draus gemacht haben ist echt ok. vor allem, wenn die Doublebass einsetzen. Und dann S.A.T.O von Ozzy, ganz starke Nummer der Dänen. Dann der 5. Part, das ist ja mal eine spannende Mischung, Slayers "Aggressive Perfector", "Back In Black" von Angus und co und zum Abschluss noch die Beatles-Nummer "Strawberry Fields Forever". Alle drei Songs sind komplett umarangiert. "Back In Black" kaum wiedererkennbar, einfach klasse und 8 Minuten lang mit Synthie-Parts und Pink Floyd-Einlagen. Ich muss sagen, was Anubis Gate hier bieten ist grosses Kino. zwar alles Covers, aber zum grossen Teil so verändert, dass die fast als eigene Songs durchgehen. Unbedingt anchecken das Teil.
Crazy Beat  
Punkte:
keine Wertung
THE OTHER - Haunted  (Gatefold Splatter Vinyl)
Drakkar Entertainment/Musikvertrieb
Was habe ich nicht schon alles zu dieser Truppe geschrieben, und eigentlich war ich immer begeistert von den Deutschen, die auszogen, mittels Horror-Punk die Friedhöfe dieser Welt zu erobern. Allerdings hat es sich in der letzten Zeit auch gezeigt, dass die Mucke hier Abnützungserscheinungen aufweist. Nicht wirklich schlimm, aber genug, damit man sich die Frage stellt: Wird das nächste Album wieder so wie das vorhergehende, oder verändert man sich? Nun, der Zugang eines zweiten Gitarristen hat damals bei "Fear Itself" anno 2015 hat eine zusätzliche Heavyness mit eingebracht. Das Grundrezept blieb dasselbe. Wie schon bei meiner Rezension zur letzten Scheibe "Casket Case" angemerkt, ist das ganze Zeug zwar echt geil, aber eben, es gibt Ermüdungserscheinungen. Nun, prinzipiell könnte ich das jetzt auch bei "Haunted" so stehen lassen. Wir haben zwar immer noch sehr guten Horror-mässigen Punk, einen echt genialen Sänger, der perfekt passt, entsprechende Thematiken, Melodien und Rhythmen passen super. Vielleicht werde ich auch einfach langsam zu alt, habe zu viel gesehen und gehört, als dass mich "Haunted" noch aus den Stiefeln hauen könnte. Deshalb überlasse ich es den Neugierigen, den Kennern, wem auch immer, sich selbst ein Urteil zu bilden. Aber eines muss gesagt sein: Schlecht ist die Scheibe auf gar keinen Fall! Schrecklich gut!
Toby S.   
Punkte: 8.5 von 10
SUBSIGNAL - A Song For The Homeless  (CD)
Gentle Art Of Music
Eins vorweg, der 28. März 2019 im Club "Das Rind" In Rüsselsheim muss wirklich magisch gewesen sein. Alle 12 Songs strotzen nur so vor Spielfreude. Das eingespielte Team um Shouter Arno Menses zeigt sich in Bestform und agiert als ein eingespieltes Team. Man glänzt mit grosser Musikalischer Vielfältigkeit. Nach dem härteren Startsong "Touchstones" geht’s erst richtig los und Song für Song fesselt den Zuhörer auf ein neues. Erstes Highlight das geniale "The Bells Of Lyonesse", hier bei diesem sehr melodiösem Refrain zeigt Arno, was er doch für ein grossartiger, gefühlvoller Sänger ist, das ist grosses Prog-Kino. Auch "The Sea" kommt sehr verspielt, so wie es nur Subsignal hinkriegen. Und hier hört man mal wieder, was Markus Steffen für ein fantastischer Gitarrist ist. Aber das weiss jeder echte Proggie ja schon seit Sieges Even. Markus kombiniert wie kein zweiter harte und melodiöse Klänge auf seinen 6 Saiten. Auch hier zaubert der Deutsche wieder viele magische Momente aus seiner Gitarre. Aber auch seine Mitstreiter Ralf Schwager (Bass), Dirk Brand (Drums) und Markus Maichel an den Keys tragen einen grossen Teil zu diesem überragenden Live-Werk bei. Hört euch nur mal das verspielte "Walking With Ghosts" an, dann versteht ihr, was ich meine. Vom letzten Album ist auch "La Muerte" mit dabei, eine wahrlich spannende Prog-Nummer. Zum Schluss gibt’s noch "Paraiso" und das unverzichtbare "Paradigm" auf die Ohren, die beiden beenden ein beeindruckendes, magisches, wunderbares Prog-Konzert mit einer fantastischen Band, muss man einfach haben.
Crazy Beat   
Punkte:
keine Wertung
CUTTIN' EDGE – Face Down  (LP)
Rebellion/Cargo
«Play it loud and drink some beer» heisst es im ersten Lied dieses Debütalbums. Also etwa übersetzt «Dreht diese Musik auf Laut und trinkt einige Biere dazu». Diese Aussage ist dermassen passend für dieses Werk, dass sich eigentlich alle weiteren Worte erübrigen. Das ist euch zu billig? Ihr wollt mehr Informationen? Na gut... Cuttin' Edge kommen aus der schottischen Hauptstadt Edinburgh. 2018 gegründet setzen sie jetzt mit «Face Down» ein erstes riesiges Ausrufezeichen. Darin schicken sie sich an, die legitimen Nachfolger von Motörhead zu werden. Aber Achtung: Sowie Airbourne keine reine Kopie von AC/DC sind, sind es auch Cuttin Edge nicht von Lemmys Truppe. Die Schotten packen ihrem rohen Rock'n'Roll noch eine gehörige Portion Punkrock drauf. Im Promozettel steht was von The Exploited. Ich selber höre noch die Sex Pistols und The Ramones raus. Das alles wird unterstützt durch einen druckvollen Sound, der keine Gefangenen macht. Dass das Spiel nicht 100-Prozent exakt ist, gehört in diesem Genre zum guten Ton und führt noch zu mehr Energie. «Face Down» ist pure Power, die keine Gefangenen macht. Gut so. Cuttin Edge wollen mit ihrem Debutalbum keine Popband sein, die allen Leuten gefällt. Sie transportieren die Ästhetik des Gefallenen, des Bauarbeiters und des Stahlarbeiters und nicht diejenige des Hypsters oder Bankangestellten. Damit werden sie die kantigen Herzen von Anhänger der oben beschriebenen Bands im Sturm erobern. Hoffen wir, dass die Schotten nach der Pandemie die Chance erhalten, auf zahlreichen Festival zu spielen. Dort wird ihnen Ruhm und Ehre gewiss sein. Wer es nicht glaubt, der höre doch in folgende Lieder rein: «Only The Strong», «Play It Loud» oder «Accident Emergency».
Roger W.  
Punkte: 8.5 von 10
WITHERING SURFACE – Meet Your Maker  (LP)
Mighty Music
Der schwedische Melodic/Death Metal hatte Mitte der 90er Jahre seinen Durchbruch mit Bands wie In Flames, At The Gates oder Dark Tranquility. Im Nachbarland Dänemark bündelten derweil ein paar Jungs ihre Energien im Örtchen Næstved und galten ab 1994 als die Begründer des dänischen Melodic/Death Metal. Bis zu ihrer „Auflösung“ 2005 konnte Withering Surface vier Alben und einige EPs ihr Schaffen nennen. Die Pause von fünf Jahren ist der Truppe um Michael H. Andersen gut bekommen und mit „Meet Your Maker“ geben sie diesen Sommer ihr Comeback. Geplant gewesen wären Festival-Auftritte am „Copenhell“ und „Metal Magic“ aber wegen der Corona-Bestimmungen wird sich die Band etwas anderes einfallen lassen müssen, um ihre Rückkehr zu feiern. „Meet Your Maker“ beinhaltet neun brandneue Songs, die alle auf heisse Ohren warten. Gemischt und gemastert wurde die Scheibe von Jacob Hansen in den Hansen Studios. Die Songideen stammen teilweise noch aus dem Archiv des 1997 entstandenen Debütalbums „Scarlet Silhouettes“, allerdings neu aufgearbeitet mit der Energie, der Technik und dem aktuellen Zeitgeist der Band. So kommen Withering Surface’s Songs anno 2020 frisch und druckvoll daher, wie bereits die Vorab-Single „Leaves In The Stream“ eindrucksvoll bewies. Aggression wie beim Stück „Alone“, etwas progressive Würze à la „Meet Your Maker“ oder die „Ballade“ „I’ll Soon Be Gone“ runden die Platte melo-death-mässig geschmackvoll ab!
Oliver H. 
Punkte:
keine Wertung
NORTHIWIND – History  (LP&CD)
No Remorse Records
Nach 33 Jahren veröffentlichen die Griechen ihr drittes Album. Eine Truppe, die 1982 mit «Northcomin’» und 1987 mit «Mythology» ans Tageslicht trat. Dass der Vierer somit nicht Nu Metal spielt dürfte klar sein. Sofort fällt die angenehme Stimme von Dimosthenis Dovas auf, die eine gewisse Schärfe hat, mit vielen tollen Screams den Hörer aufmerksam macht und sonst in mittleren Tonlagen shoutet. Musikalisch ist das Ganze logischerweise von den alten Helden geprägt. Hier stehen aber eher die neueren Uriah Heep sowie Black Sabbath zu Toni Martin-Zeiten als Vergleich. Bei «King Alexander The Third» schimmert sogar ein kleines bisschen die alten Rainbow mit Ronnie James Dio durch. Und bevor jetzt alle sich die Scheibe kaufen und mich dann verdammen, dass die Qualität längst nicht bei diesen Truppen ist - denen sei gesagt, dass dies Vergleiche sind. Denn bei all dem kommt eine grosse Portion Eigenständigkeit mit, welche die griechische Mentalität ans Tageslicht bringt. Bei «Soldier’s Pay» ist es das «New Wave Of British Heavy Metal»-Flair, das sofort an alte Tygers Of Pan Tang, Diamond Head, oder Blitzkrieg erinnert. Wer sich bei den erwähnten Bands zuhause fühlte, sollte ich «History» unbedingt einmal anhören. Auch, weil der Speedbolzen «Pyrrhos The Eagle» dem eh schon abwechslungsreichen Album noch die Krone aufsetzt.
Tinu 
Punkte: 8.5 von 10
LOUISE LEMÓN - Devil  (LP)
Creating Evil Art
`Schwedischer Death Gospel`, ich habe mich ja schon in dieses Album verliebt, als ich nur den Titel des Genres gelesen habe. Die Sängerin Louise Lemón bringt mit ihrer klaren und ruhigen Stimme eine absolut melancholische Atmosphäre hervor, begleitet von melodischen, passend eingesetzten Instrumentals. Auf fünf Songs verteilt zeigt dir Musikerin ihr Können, mal etwas feiner und weicher, dann wieder klangvoller. Das ganze Album ist von einer tiefen Melancholie und Sehnsucht geprägt, zum Teil auf eine tieftraurige Weise, dann wieder auf die Art, dass es an Fernweh erinnert. Fünf Songs mit einer Gesamtspielzeit von knapp etwas über 15 Minuten sind mir hier aber zu kurz, denn kaum geniesst man den Song so richtig, ist er auch schon zu Ende. Und doch möchte ich gerne mehr von Louise Lemón hören, denn sie hat echt im Griff, was sie da tut.
Zoé   
Punkte: 8.5 von 10
STINKY – Of Lost Things  (LP)
M-Theory Audio
Stinky ist eine Female-Fronted Hardcore-Band aus dem französischen Nantes. Während der Name vielleicht auf einige kurios wirken mag, lässt ihr Sound keine Fragen offen. Beeinflusst wurde die 2010 gegründete Truppe von Bands wie Comeback Kid, Bane oder Miles Away. Die Musik ist eine perfekte Mischung zwischen melodischem Hardcore Punk mit einem Schuss Metal. Durch diese Verschmelzung schafft der Fünfer den Spagat zwischen purer Energy und Aggression. Nach zwei veröffentlichten Alben steht nun mit „Of Lost Things“ die dritte Platte der Franzosen in den Regalen. Die 11 Songs kommen grösstenteils im schnellen Tempo daher und sind deshalb der perfekte Soundtrack zum Moshen! Die charismatische Claire brüllt sich auf „Of Lost Things“ sprichwörtlich den Leib aus der Seele, und auch der immer wieder eingesetzte Backgroundgesang trägt dazu bei, dass die Songs alles andere als weichgespült sind. Die meist harten Gitarrenriffs werden immer wieder mit melodischen Passagen untermalt, sodass Stinky auf den Tracks nicht zu eintönig klingen. Auch die Aufnahmequalität trägt ihren Teil dazu bei, dass Stinky mit der vorliegenden Scheibe ein ziemliches Hardcore-Brett abliefern, ohne dabei das Rad neu zu erfinden. Wenn man etwas an den „Stinkern“ bemängeln müsste, wäre es vermutlich die Tatsache, dass der Trupp keinen wirklichen Wiedererkennungswert bieten kann. Oft fühlt man sich an andere Kombos dieses Genres erinnert, was aber schlussendlich fürs Soundgefühl scheissegal ist, denn wenn’s reinhaut, haut’s einfach rein!
Oliver H.   
Punkte: 8.5 von 10
VAMPIRE - Rex  (LP)
Century Media/Sony
Aus Göteborg, Schweden, folgen Vampire dem Pfad des etwas angehauchten thrash-deathigen Metals mit 'Rex', dem dritten Longplayer, seit der Gründung im Jahre 2011. Dazwischen hängen jedoch jede Menge Singles und eine EP wie auch einen Split-Output mit Miasmal, nebst den zwei anderen Longplayers. 10 Songs säumen den Weg von 'Rex', welche ebenfalls den umfassenden Ideenreichtum von Vampire darlegt. Nun, die Faibles von Vampire sind klar im thrashigen Death-Metal zu finden, will schreiben so à la Possessed, Celtic Frost, Slayer, Autopsy, Dissection, Repulsion oder alte Kreator. Die Riffs setzen einen wahrlich in diese genannten Anfangstage zurück, teils sogar speedige Elemente werden eingepfercht. Die Gitarren sind sowohl rhythmisch als auch soloistisch sehr melodiös unterwegs, eher mehr im thrashigen Metal daheim, als im deathigen Bereich. Der Tieftöner wummert rein und sehr dominant, was dem Gesamtsound ebenfalls einen eigenständigen Stempel aufdrückt, ja, zeitweise soliert der Bass irgendwie gar mit den beiden Gitarren um die Wette. Interessant. Die Drums speeden, thrashen und grooven mit den anderen Instrumente um die Wette, stets straight, bis ab und an die Mid-Tempo-Parts, die hymnenhaften Melodien angesetzt werden, um dann sogleich in eben meist Double-Bass-Attacken rüber zu gleiten. Die Vocals screamen und shouten stets verständlich in den 'kratzenden' Bereichen, was aber dem Sound sehr gut tut, denn dieser wird dadurch noch gereifter und 'old-schooliger'. Die Produktion ist etwas an diese Zeit angepasst worden, jedoch mit den heutigen Standards hervorragend umgesetzt. Das Coverartwork passt ebenfalls in die Ahnengalerie, einfach herrlich. Anspieltipps sind 'Inspiritus', 'Pandemoni' oder 'Anima'.
Leopold  
Punkte: 8.4 von 10
PATTERN SEEKING ANIMALS - Prehensile Tales  (3 LPs)
InsideOut Music
Es ist noch nicht mal ganz ein Jahr vergangen seit dem Debüt und schon schieben die Proggies aus USA den nächsten Longplayer nach namens "Prehensile Tales". Auch hier behalten die Musiker ihre besondere verspielte Art, Musik zu spielen, bei. Alles klingt so locker und total nach Spass. Natürlich können Basser Dave Meros und Ted Leonard und auch Ex-Spocks Beard-Trommler Jimmy Keegan nicht ihre SB-Wurzeln verbergen. Nur gehen die Jungs musikalisch etwas breitgefächerter zu Werke. Da gibt’s schon mal auch Sax, Trompeten, Flöte, Violine und Cello-Klänge zu hören. Fast poppig startet man mit "Raining Hard In Heaven". Aber natürlich schwenkt man bald in einen lupenreinen Prog-Song. Auch "Here In My Autumn" und "Elegant Vampires" sind einfach super coole Songs. Jimmys Drums sind so „fucking tight“ und Dave Meros ist einfach ein genialer Basser, sein einmaliges Spiel und der röhrende Bass hat einen grossen Wiedererkennungswert. "Why Don't We Run" klingt dann etwas anders, modern und mit vielen anderen musikalischen Einflüssen, Hammersong, das hätte nun wirklich nicht zu SB gepasst. Dann das Herzstück des Albums, das 17 Minuten lange "Lifeboat". Eine sehr spannende, variable Nummer, die die Spannung durch den ganzen Song aufrecht zu erhalten vermag. Hey, genau so macht man Prog-Long-Tracks. Die PSA haben hier natürlich Einflüsse der grossen Genesis, Yes und auch etwas älteren Marillion, aber das ist vollkommen ok. Ted sorgt ja unter anderem mit seinem tollen Gesang für genügend Eigenständigkeit. Den Jungs ist auf jeden Fall ein starkes, sehr variables Prog Rock-Werk gelungen, das unglaublich Spass macht.
Crazy Beat  
Punkte: 8.4 von 10
HORISONT - Sudden Death  (Gatefold LP)
Century Media/Sony
Mutig sind sie ja, die fünf Jungs aus Göteborg, denn der musikalische Wandel, den sie seit Erscheinen des Debüts „Tva Sidor Av Horisonten“ (2009) kontinuierlich und konsequent vollzogen haben, hätte durchaus auch mächtig in die Hose gehen können. Standen früher knarzig-holzige Gitarren und eine ab und an ordentlich polternde Rhythmussektion im Vordergrund, dominieren heute endgültig Tastenklänge das Geschehen, welche zwar die Twin-Guitars nicht vollends ablösen, diese aber um einiges diskreter klingen lassen. Glücklicherweise gelingt es der Band (wieder einmal) das vermeintliche Minus an Härte durch ein ordentliches Plus an kompositorischer Raffinesse zu kompensieren. In diesem Fall bedeutet das, dass man fleissig alles zitiert, was in Sachen AOR und Stadionrock in den Siebzigern und frühen Achtzigern die Nase vorn hatte, ohne es dabei profan zu kopieren. Was höre ich da nicht alles raus, was damals unverrückbar auf dem Rock-Olymp weilte. ELO, Foreigner, Meat Loaf, Journey, Asia... sie alle haben ihre unverkennbaren Spuren bei den fünf Schweden hinterlassen, in „Gråa Dagar“ verneigt sich die Truppe sogar vor den Beatles. Und wenn die Band in den leider mittlerweile viel zu seltenen Prog-Einschüben die Retro-Synthies aufheulen lässt, dann kann ich guten Gewissens noch Yes auf ihre eh schon exquisite Liste der Inspirationsquellen nehmen. Natürlich hat das alles mit Hard Rock im eigentlichen Sinn nichts mehr zu tun, dafür aber umso mehr mit zeitloser, klassischer Rockmusik, welche auch in dieser modernen Neuinterpretation den Test of Time bestehen wird.
Mirko B.  
Punkte: 8.3 von 10
MAGICK TOUCH – Heads Have Got To Rock'n'Roll  (CD)
Edged Circle
Nach zwei Longplayern und einer EP steht das norwegische Trio Magick Touch mit einem weiteren Album in den Startlöchern. Mit „Heads Have Got To Rock'n'Roll“ geht die Band einerseits den eingeschlagenen Weg konsequent weiter, anderseits konnten sie das schon hohe Level noch dezent steigern. Die Jungs bewegen sich im Classic Rock-Umfeld, lassen sich aber nicht so einfach einordnen. Die frühen Achtziger stechen dabei deutlich hervor. Man kombiniert Hard Rock- und Heavy Metal-Elemente verschiedener Stilrichtungen zu einem individuellen, eigenen, aber nicht wirklich neuen Sound. Vom Label werden als musikalische Anhaltspunkte Judas Priest, Saxon und Rainbow ins Spiel gebracht. Als Ergänzung kann Thin Lizzy und Def Leppard durchaus Sinn machen. Das bedeutet, musikalisch stehen knackige Gitarrenriffs im Vordergrund und bilden das Fundament. Darauf aufgebaut werden gehaltvolle Tracks mit viel Substanz. Geradlinige Melodien und eingängige Songstrukturen sind nicht die Ausnahme. Was höchstens fehlt, ist der durchgehend rote Faden. Das heisst aber auch, dass das Spektrum breit und damit die Abwechslung gross ist. Somit ist von groovigem Hard Rock über Stadionrock bis NWOBHM alles vorhanden. Das Rad erfindet Magick Touch definitiv nicht neu, wer aber auf charismatischen Hard Rock und Heavy Metal steht, kann den Nordmännern durchaus eine Chance geben.
Chris C.  
Punkte: 8.3 von 10
HAKEN - Virus  (3 LPs)
InsideOut Music
Schon irgendwie strange, im Juni ein Album auf den Markt zu bringen mit dem Namen "Virus". Dabei ist dies nur die Fortsetzung der Vorgänger Album "Vector". Los geht’s mit der modernen, harten Prog-Nummer "Prosthetic" volles Rohr, böse und tief. "Invasion" klingt zwar auch modern aber weniger brachial, mehr technisch. "Carousel" lebt vom Auf und Ab der Härte und dem Tempo, krasse Nummer. Die folgenden "The Strain" und "Canary Yellow" schlagen in etwa in dieselbe musikalische Kerbe. Dann folgt das fünfteilige "Messiah Complex", der vielleicht anspruchsvollste Track von Haken überhaupt. Hier durchlebt die Band alle nur möglichen Stile des anspruchsvollen Prog Metal. Ist beim ersten Durchhören nicht gleich nachvollziehbar, aber nach einigen Durchläufen macht dieses Epos dann richtig Spass. Die Jungs aus London haben es ja dem Zuhörer noch nie leicht gemacht ihre Musik zu verstehen, das trifft auch auf "Virus" zu. Haken sind sehr kreativ was ihre Musik betrifft, und wer den Zugang zu den Briten mal gefunden hat, wird seine Freude an der komplexen Musik der Proggies haben.
Crazy Beat  
Punkte: 8.3 von 10
EXIT – Traces Of Human Existence  (CD)
Art Gates Records
Arrrgh! Knüppelhart rumpelt es im Karton der Innerschweizer aus Sursee. Die Eidgenossen, die bereits seit 1995 gemeinsam ihr Unwesen treiben, liefern auf ihrem fünften Longplayer „Traces Of Human Existence“, Death und Thrash Metal der progressiven Sorte ab. Neben harten Riffs und Blastbeats bekommen wir nämlich auch akustische Intermezzi, einige klare Gesangspassagen und unzählige Tempowechsel serviert. Besonders der Gesang rundet ihren Sound ab, der auf den Vorgängeralben zeitweise Anlass zur Kritik gab. Diesbezüglich sehe ich auf „Traces Of Human Existence“ keinen Grund. Die Jungs scheinen ihre Aufgaben gemacht zu haben und sind über die Jahre personell wie musikalisch zu einer Einheit herangereift. Die Mischung macht’s ja bekanntlich aus und die ist durchaus vorhanden. Trotz Progressivität geht der rote Faden nicht verloren. Exit sind vier technisch versierte Musiker, die nicht den gängigen Trends nacheifern und ihr eigenes Ding machen. Bands dieser Art sind in der weiten Welt des Einheitsbreis, ein gefundenes Fressen! Hört rein!
Oliver H.  
Punkte: 8.3 von 10
BLEED FROM WITHIN - Fracture  (2 LPs)
Century Media/Sony
Seit 2005 treiben die Schotten aus Glasgow das Unwesen im melodiösen Death-Metal, Metal- und Deathcore und veröffentlichen mit 'Fracture' den bereits fünften Longplayer mit 10 Songs, welche die vorher genannten Stilrichtungen voll abdecken, ohne Wenn und Aber. Nun, so einfach machen es Bleed From Within es doch nicht, denn wie eine gut zubereitete Suppe wissen die Schotten ganz genau, was 'Fracture' beigemengt werden soll, so dass es eine kräftige Angelegenheit wird. Et voilà, das haben sie auch geschafft. Welche Zutaten wurden denn noch hinzufügt? Well, auf der Basis des leicht technischen, metallischeren Deathcore wurden Elemente des Thrash-, etwas Speed- und Power-, sowohl auch astreiner Death-Metal hinzugefügt. Ja, auch die soundtechnischen Spielereien, welche oftmals Platz im Metal- und Deathcore zu finden sind, wurden ebenfalls beigefügt. So ist ein sehr grooviges, abwechslungsreiches, meliodös wie leicht deathiges und gar thrashig-hardcoriges Album geworden, das 'Fracture'. Ideal für das Home-Training gedacht, speziell auch für die Region um die Nackenmuskeln. So sind Vergleiche zu God Forbid, The Black Dahlia Murder, Caliban, Heaven Shall Burn, The Haunted, Devil Driver, Divine Heresy oder Sylosis nicht fehl am Platze, und dennoch überzeugen Bleed From Within mit Eigenständigkeit und vor allem einer sehr speziell generierten Wucht. Auch hier gibt's wieder was für Frickelfans, mal etwas heftige, dann wieder sehr melodiöse, mal etwas längere, aber auch kurze Soli pflastern den Weg. Gerifft wird auch ganz anständig und stets groovend, egal ob es nun die ruhigen Momente in den Songs oder die heftigen Ausbrüche im Songwriting darstellen. Die zwei Gitarren ergänzen sich perfekt, die Eine mal verspielt, die Andere einfach groovend, die Eine mal ultrahart, die Andere dann mit Melody-Lines untermalend. Der Tieftöner ergänzt diese beiden Spielattacken mal untermalend, dann eine dritte Stimme kreierend. Die Drumpatterns reichen von Blastbeats bis speedigen Attacken, von Thrashmongern à la Slayer zu einfach groovigen Momenten à la God Forbid. Mit wirbelnden Sticks und straighten, corigen Spieltechniken wird auch der N.Y.-Hardcore stets hochgehalten. Die Vocals sind meist shoutend und screamend, sehr dem N.Y.-Hardcore verbunden. Doch geht es ab und an in die gutturale Welt der Sangeskunst, dann wieder auch sehr in ruhigeren Stimmgebiete, will schreiben, die Abwechslung ist und wird auch hierbei gross geschrieben. Ein geniales Artwork, die rote Farbe ist einfach stark, sowie die sehr druckvolle Produktion rundet 'Fracture' erfolgreich ab. Anspieltipps wären da 'Pathfinder', 'Into Nothing', 'Night Crossing', 'Ascend' oder 'A Depth That No One Dares'.
Leopold     
Punkte:
8.2 von 10
SHAMAN ELEPHANT - Wide Awake but Still Asleep  (LP)
Karisma Records
Diese norwegische Band ist wieder mal ein exemplarisches Beispiel dafür, wie man meine Wenigkeit mit Musik geistig und intellektuell überfordern kann. Einerseits finde ich den deutlich progressiven Ansatz von Shaman Elephant absolut grossartig, erinnert er mich doch in seinen stellenweise recht heftigen Ausbrüchen an diverse Artrock-Glanztaten der Siebzigerjahre, ich denke hierbei in erster Linie an Yes. Andererseits sind Shaman Elephant in ihrer Stilvielfalt dermassen offenherzig, dass ich beim Anhören des Albums oft nicht mehr wusste, was Vorne und Hinten ist. Da trifft traditioneller Progressive Rock auf Alternative Rock auf Psychedelic Rock auf Classic Rock auf... Einer der Songs trägt den Titel „Steely Dan“. Wer das Songmaterial der gleichnamigen Fusion-Giganten aus den Siebzigerjahren kennt, kann sich vorstellen, wie die vier jungen Burschen über Genregrenzen denken. Aber es ist absolut okay, sie lassen ihrer Kreativität den ganzen nötigen Freiraum und kreieren damit spannende Songs mit Anspruch und viel Dynamik. Das muss man nicht verstehen, das muss einem auch nicht zwingend gefallen, aber würdigen sollte man es trotzdem. Als klarer Sieger meines Herzens flitzt das hypnotische Schlusslicht “Strange Illusions” über die Ziellinie. Es ist erstaunlich, wie es die vier jungen Kerle scheinbar mühelos schaffen, Led Zeppelin-Vibes mit vertrackt-progressiven Rhythmen und der Sound-Opulenz des Shoegaze zu kombinieren. Wer sowas fertig bringt, verdient es gehört zu werden.
Mirko B.     
Punkte:
8.1 von 10
MAGNUS KARLSSON’S FREE FALL – We Are The Night  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Magnus wurde bekannt durch seine Mitarbeit bei Primal Fear, aber auch seine Truppen, wie Free Fall und The Ferrymen, oder Projekten wie Starbreaker, Allen/Lande, Place Vendome, plus Kiske/Somerville. Ja, der Schwede ist ein gerngesehener Songwriter und Gitarrist, der mit seinem virtuosen Spiel, immer wieder vage an Yngwie Malmsteen und John Norum erinnert. Beim dritten Free Fall-Werk bekommt er gesangliche Unterstützung von Dino Jelusick (Animal Drive, Dirty Shirley), Renan Zonta (Electric Mob, hab ich es nicht geschrieben, beim Review von Electric Mob?!), Noora (Battle Beast), Tony Martin und Ronnie Romero (Vandenberg, ehemals CoreLeoni). Eigentlich ist dieses Werk einmal mehr ein Zusammenwürfeln von Musikern, welche bei Frontiers Music unter Vertrag sind. - Fehlt nur noch Alessandro Del Vecchio. - Sorry, aber so langsam werden diese «Projekte» ermüdend und auch wenn das musikalische Können der Musiker vorhanden ist, weniger ist mehr und Mann könnte sich derweilen mehr auf seine Stammcombos kümmern… Kommen wir zu «We Are The Night», ein Album, das mit melodischem Metal ausgestattet ist, den hymnischen Part nicht vermissen lässt und auch immer ein bisschen in der klassischen Musik eintaucht. Das leidige Thema ist, dass die Songs grundsätzlich verdammt gut sind, aber leider nach dem Hören kaum was hängen bleibt. Tausend Mal gehört, aber die Identität geht völlig baden und am Ende der zwölf Tracks erinnert man sich kaum an was. Ausser, dass es viele tolle Sänger zu hören gab und der Gitarrist uns schwindlig gespielt hat. Übrigens ist der Gitarrist auch noch Trommler, Keyboarder und Bassist… Hört euch mal die beste Nummer «One By One» (dank dem einmal mehr unglaublichen Gesang von Ronnie) an. Ansonsten können hier Battle Beats-, Sabaton, oder Beast In Black-Fans ein Ohr voll riskieren, denn hier könnte das Klientel für «We Are The Night» sein.
Tinu     
Punkte:
8.0 von 10
DARK ARENA – Alien Factor (Re-Release LP)
Pure Steel Records
Pure Steel Records hat dieses Werk von 2006 der amerikanischen progressiven Heavy-Metaller wieder ausgegraben. Der Anlass ist kein erfreulicher: Gitarrist Paul Konjicija ist im letzten Jahr verstorben. Gegründet wurde die Band 1994. Zehn Jahre später stiess der Gitarrist dazu. Mit ihm veröffentlichten die Amerikaner zwischen 2006 und 2012 drei Alben. Offiziell aufgelöst wurde die Gruppe seither nie, weitere Werke gab es seither aber nicht mehr. Gleichzeitig mit Konijcija stiess Sänger Juan Ricardo zur Band, der seine Stimme unter anderem auch Ritual leiht. Jetzt kommt es also zur Wiederveröffentlichung dieser eigenwilligen Musik. Sie überzeugt mit einer speziellen Mischung aus Heavy Metal, Thrash Metal, symphonischen Klängen und Prog Metal. Die Wechsel erfolgen oft abrupt und erzeugen eine Atmosphäre, die man beim Anblick eines schönen und lieb dreinschauenden Hundes empfindet, der plötzlich anfängt zu bellen und im nächsten Moment sich wieder lammfromm streicheln lässt. Diese Kauzigkeit mach Alien Factor zu etwas Speziellem. Dies führt zu einem ehrfürchtigen respektvollem Innehalten, selbst dann, wenn man mit dem Sound eigentlich nur wenig abgewinnen kann. Eine Wiederveröffentlichung von «Alien Factor» macht deshalb Sinn. Hier geht es schlicht um Kunst und nicht um das grosse Massenprodukt, das auf Biegen und Brechen jedem gefallen will. Wer sperrigen rifflastigen Prog Metal mag, sollte deshalb unbedingt in dieses Album reinhören.
Roger W. 
Punkte:
keine Wertung
ELECTRIC MOB – Discharge  (CD)
Frontiers Music/Musikvertrieb
Zuerst dachte ich an neues Projekt vom Mats Levén, aber die kraftvolle Stimme gehört zum Brasilianer Renan Zonta. - Und wer jetzt gleich denkt, dass man hier einen weiteren Klasse-Sänger, wie Dino Jelusick (Animal Drive), in kommenden Frontiers-Projekten singen hören wird… - Electric Mob sind stilistisch mit Country, Blues und ganz viel traditionellem Hardrock gesegnet. Dabei ist es nicht nur das kräftige Organ von Renan, sondern auch die Brett-Gitarre von Ben Hur Auwarter, der mit seinen Riffs immer wieder an Richie Kotzen erinnert. Somit kommen Traditionalisten des Hard Rocks bei dieser Scheibe auf ihre Kosten und werden Lieder wie «King‘s Ale», «Far Off», die wunderschöne, swingende Ballade «Your Ghost», das flotte «Upside Down» und das schmissige «Brand New Rope» abfeiern. Es hat aber auch einen kleinen «Stinker» dabei. Mit «Gypsy Touch» verirrt man sich zu sehr in funkigen Elementen wie damals Extreme. Das Album wird seine Freunde finden, spezielle die Fans von Animal Drive, oder Dirty Shirley werden sich angesprochen fühlen.
Tinu   
Punkte:
8.0 von 10
AVERSIONS CROWN - Hell Will Come For Us All  (CD)
Nuclear Blast/Warner
Das vierte Studioalbum der Australier Aversions Crown mit 9 Tracks beseelt. Seit 2009 beackern Aversions Crown den Death-Metal-Acker, mal mit mehr Black-Metal, dann wieder mit etwas mehr Deathcore um schlussendlich den klassischen Death-Metal durchdrücken zu lassen. Ihr Metal wird als 'technischer Deathcore' beschrieben, da doch Paralellen zu Cattle Decapitation, Thy Art Is Murder, etwas Rings Of Saturn und Abiotic auszumachen sind. Der Gesamtsound klingt sehr modern, auch die Produktion von 'Hell Will Come For Us All'. Jongliert wird zwischen Blastbeasts, vertrakten und technischen Spielmomenten, als auch mit melodiösem Riffing, welches einerseits eben durch satte Riffs als auch durch sehr nervöses Frickeln untermalt wird. Interessant ist, dass es zwei Gitarristen, jedoch keinen Bassisten bei Aversions Crown neuestem Output 'Hell Will Come For Us All' gibt, jedoch holen sich Aversions Crown live durch Gastbassisten den Tieftönereffekt. Wieso fällt dies auf dem neuen Album nicht so extrem auf, dass ein/e Bassist/in nicht mit von der Partie ist? Well, einfach zu beantworten, denn die beiden Gitarristen operieren mit je 8-Saitern am offenen Herzen. Will schreiben, so à la Animals As Leaders, die ja mit ebenfalls zwei Gitarren, also 8-Saitern, und einem Drummer unterwegs sind. Aha, aber doch wieder zum Release zurück. Die Tracks sind sehr atmosphärisch gehalten, pompös und powervoll, beinahe schon theatralisch, will damit schreiben opernmässig, schwer und wuchtig. Bombastisches Riffing, gepaart mit einigen technischen Fricklingmomenten, ein doppeltes Gitarrengewitter, welches ab und an Harmonieläufe generiert, jedoch nur sehr seltene, solodeske Momente hinzaubert. Blastbeats, wuchtige Double-Bass-Attacken, gepaart mit leicht doomigen Anliehen, danach wieder groovende und straighte Drumpatterns. Die Growls sind verständlich, sehr tiefer gutturaler Gesang. Abgerundet wird dieser Release durch ein sehr gelungenes und zum Gesamtsound passendes Artwork von Eliran Kantor. Anspieltipps wären da 'Born In The Gutter', 'Paradigm', 'Hymn Of Annihilation' oder 'Sorrow Never Sleeps'. Technical Deathcore from Australia.
Leopold
     
Punkte:
8.0 von 10
JAZZ SABBATH - Jazz Sabbath  (LP)
Blacklake Records
Der Skandal könnte nicht grösser sein. Jazz Sabbath wurden im fernen Jahr 1968 im Zuge der sich anbahnenden britischen Jazz – Welle gegründet. Schon sehr bald hatte man genügend Songs für ein vollwertiges Album zusammengetragen, die dann auch flugs aufgenommen wurden, doch ein Herzinfarkt streckte den Pianisten und Bandleader Milton Keanes vorerst nieder, und die geplante Albumveröffentlichung, welche für Freitag den 13. Februar 1970 geplant war, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Milton im September 1970 endlich aus der Hospitalisierung entlassen wurde, musste er entsetzt feststellen, dass eine vierköpfige Kombo aus Birmingham, die sich auf absolut unverschämte Art und Weise sogar noch erdreistete, sich „Black Sabbath“ zu nennen, fünf der sieben Songs geklaut hatte und sie in so genannten „metallischen“ Versionen auf ihren beiden ersten Alben veröffentlicht hatte. Die zwei restlichen Jazz Sabbath-Standards „Changes“ und „Children Of The Grave“ wurden von der skrupellosen Band ebenfalls geklaut und auf zwei später erscheinenden Alben in kaum wiederzuerkennenden Fassungen veröffentlicht. Vergeblich versuchte damals Milton Keanes, diesem ruchlosen Haufen langhaariger Proleten aus Birmingham das niederträchtige Handwerk zu legen. Die damalige Plattenfirma, Rusty Bedsprings, existierte mittlerweile nicht mehr, der Labelboss sass im Gefängnis und ein verheerendes Feuer, das sich später als Brandstiftung zum Zweck eines Versicherungsbetrugs erweisen sollte, hatte sämtliche Bestände der Debüt – Erstpressung auf Vinyl zerstört. Es ist dem schieren Zufall zu verdanken, dass im späten Jahr 2019 die Mastertapes der Recording Sessions entdeckt wurden, so dass jetzt das Jazz Sabbath – Debüt in remasterter Version endlich erscheinen kann. Klingt unglaublich? Steht aber so auf der Homepage von Jazz Sabbath, und wenn ihr daran zweifelt, dann schaut euch auf Youtube die Dokumentation „Jazz Sabbath - the documentary“ an. Die Beweise sind erdrückend, das ist die Wahrheit! Und für all jene, die ihr Leben immer noch ohne Aluhut und Verschwörungstheorien bestreiten können, stellt dieses Album die durch Milton Keanes (aka Adam Wakeman, Sohn von Rick Wakeman) plus Mitmusiker genial-witzige Art dar, Black Sabbath – Klassiker in lässig swingenden Jazz-Fusion – Versionen zu interpretieren, die sich nur so nahe wie nötig an den Originalen orientieren, das Ganze eingepackt in eine originelle Story, welche in ihrer verdrehten Absurdität nur dem typisch britischen Humor entspringen kann. Musik ist Geschmackssache, Jazz ist nicht mein Ding, aber die Idee dahinter und die astreine musikalische Umsetzung verdienen einfach zwei fette Bonuspunkte, reinhören!
Mirko B.     
Punkte:
8.0 von 10
MASTER MASSIVE - Black Feathers On Their Graves (CD)
ViciSolum Productions
Ausgehend von der Anzahl Tracks, nämlich nur deren drei (!) könnte man glatt davon ausgehen, dass es sich hier nur um eine EP handelt, doch dem ist nicht so. Die gesamte Spieldauer des zweiten Longplayers von Master Massive beträgt etwas mehr als 33 Minuten. Das dürfte ruhig etwas mehr sein, aber wir erinnern uns, dass Slayers Masterpiece «Reign In Blood» (1986) mit zehn Songs exakt auf 28:59 Minuten kam. Und um nochmals mit Zahlen um sich zu werfen, sei hierzu der Hinweis auf den Opener und Titeltrack «Black Feathers On Their Graves» gegeben, der mit 18:15 Minuten gleich eine ganze LP-Seite beansprucht. Das riecht schwer nach einem langfädigen Epos und doch bringen es die Schweden hin, hier keine Langeweile aufkommen zu lassen. Der grundsätzlich von einer Hammond unterwanderte Metal-Sound klingt dabei eher nach den 80ern als nach den 70ern und erinnert teilweise an die leider verblichenen Österreicher Stigmata alias Stigmata IV alias Stygma IV. Dies mitunter auch, weil der neue Frontmann Marcus Karlsson sich etwas nach Ritchie Krenmaier anhört. «Pictures In The Sand» (11:04 Min.) könnte dann teilweise und wenn von Dan Swanö (Edge Of Sanity) eingesungen, auch auf dessen Killer-Album «Moontower» (1998) stehen. Zumindest vermitteln das einige Hammond-Parts. Hinten raus lassen sich auch Sequenzen ausmachen, die durchaus dem Progressive Metal zuzurechnen sind. «Castles In The Air» als kürzester Track (3:59 Min.) setzt dann den deutlichsten Marker in Richtung Stigmata und man wird nach den beiden Longtracks richtiggehend davon überrascht, dass die Scheibe abrupt zu Ende ist. Noch ein Song mehr auf diesem Level hätte «Black Feathers On Their Graves» gut zu Gesicht gestanden.
Rockslave
   
Punkte:
8.0 von 10
VILE CREATURE - Glory, Glory! Apathy Took Helm!  (CD)
Prostetic Records
Ihren Einstand bei Prostetic Records gaben Vile Creature mit "Preservation Rituals 2015-2018" und haben mich positiv überrascht. Laut schreiend startet "Harbringer Of Nothing" und da ist schon von Beginn weg klar: Das ist keine Musik für romantische Zweisamkeiten! Schwermütig und im reduzierten Zeitlupentempo schleicht dieser Song an uns vorbei! Die konstanten Schreie gehen durch Mark und Bein! "When The Path Is Unclear" kommt aus den unheimlichen Tiefen und ist mit sehr spärlichem Instrumenteneinsatz ausgestattet! Das heisere Gekrächze macht die Sache auch nicht leicht verdaulicher! Hat etwas Beruhigendes und Meditatives zugleich. Sehr reduziert geht auch dieser Song erst nach elf Minuten ins Ziel. Manchmal schimmert Sunno)) durch! Dissonanz ist ein allgegenwärtiger Begleiter bei "You Who Has Never Slept". Nicht mehr ganz so düster wie die beiden Vorgänger, aber immer noch sehr zermürbend! Ein richtiger Hit in der Welt von Vile Creature! Bis jetzt ist diese Album sehr geil, was aber danach folgt, ist leider sehr verstörend! Andächtig wird in die heilige Messe namens "Glory,Glory!" mit Kirchenchorgesängen gestartet und daran ändert sich im ganzen Song auch nichts mehr! Wer hätte schon mit einem andächtigen Gospelsong auf diesem Album gerechnet? Vielleicht wollen Vile Creature so um Vergebung für den vorgängig produzierten Krach bitten?! Anscheinend sind alle Sünden getilgt, denn mit "Apathy Took Helm" wird wieder gehörig Krach fabriziert, auch wenn sich noch einige Spuren von Gospel im Sound eingenistet haben. Auch dieser Song ist ein zäher Brocken, wird aber zum Schluss wieder mit Kirchenchorgesängen aufgelockert. Dieses Album von Vile Creature ist sehr anstrengend und die erste Hälfte ist einfach nur genial, was man leider von der zweiten Häfte nicht sagen kann! Krachfetischten, die bei Sunno)) so richtig auf Betriebstemperatur kommen, sollten dieses Album unbedingt antesten!
Roolf     
Punkte:
7.9 von 10
(16) - Dream Squasher  (LP)
Relapse Records
Die Amis von (16) melden sich nach vier Jahren mit dem achten Album "Dream Squasher" zurück. Noisig und herb ist der Einstand mit "Candy In Spanish". Neu werden die Leadvocals von Bobby Ferry übernommen, der vorher nur im Background mitsingen durfte. Die sägenden Riffs waren und sind immer noch ein Markenzeichen von (16). "Me And The Dog Die Together" ist ebenfalls rüpelhaft bis in die Haarspitzen und besticht durch brutales Riffing. Trotz der Brutalität grooven die Riffs aber ohne Ende. Ruhiger lässt es "Sadlands" angehen, und der hypnotischen Wirkung kann man sich fast nicht entziehen! Das geht schon in die Richtung Psychedelic Rock. Das stimmige Gitarren-Solo fügt sich wie ein fehlendes Puzzle-Teil ins Gesamtbild ein. Auch diese Seite von (16) hat unbestritten ihre Reize. Mit "Harvester Of Fabrication" wird langsam und brachial zu Werke gegangen. Der Gesang ist passend zum noisigen Sound masslos verzerrt! Doomig kommt mit "Acid Tongue" wieder eine andere Facette von (16) ans Licht, und auch im Zeitlupentempo beweisen (16), dass man brutal und zerstörerisch sein kann. Das fühlt sich so an, wie wenn man zwischen zwei Mühlsteine geraten wäre! "Agora (Killed By A Mountain Lion)" beginnt zwar leise, aber wartet dann mit einer gewaltigen Anzahl von Riffs auf! Kurz und heftig, geht "Ride The Waves" über die Bühne. An der Brutalität mangelt es nicht, aber leider an der Abwechslung schon. Eine Felswand an Riffs erwartet uns in "Summer Of 96"! Dieser Song groovt sehr gleichförmig dahin und kann leider keinen bleibenden Eindruck im Gedächtnis hinterlassen. Das gilt leider auch für die anderen Songs! Gut gespielt und stumpf ist Trumpf, aber was wirklich fehlt, ist die Abwechslung! "Screw Unto Others" ist ein Song, der groovt und zugleich mit einer nervenden Dissonanz aufwarten kann. Dieser Song hat geniale Momente, aber leider auch solche, die zum Vergessen sind. Der letzte Track hört auf den Namen "Kissing The Choir-Boy" und nochmals werden alle möglichen Riffs ausgepackt. Diesem Album, das keineswegs schlecht ist, fehlt einfach die Abwechslung und so hört man gefühlt immer wieder den selben Song!
Roolf
   
Punkte:
7.9 von 10
JESSICA WOLFF - Para Dice (CD)
Metalapolis Records/Phonag
Wer Ende 2018 ein Konzert von Treat besucht hat (unter anderem in der Hall Of Fame in Wetzikon am 09.11.2018) kam neben Dark Sky auch in den Genuss von Jessica Wolff. Die Finnin, die ausser einer talentierten Sängerin auch noch Schauspielerin, respektive Stuntfrau ist und sich ausserdem mit Kung-Fu fit hält sowie einen Python als Haustier hält (!), bringt mit «Para Dice» ihr drittes Studioalbum an den Start. während auf den ersten beiden Alben gefälliger wie zumeist melodischer Pop-Rock geboten wurde, bratzen die Gitarren auf der neuen Scheibe spürbar mehr. Bei entsprechender Lautstärke können nicht festsitzende Fensterscheiben, zum Beispiel beim Opener «Ella's Song» sowie bei «Fight Forever», «Superhero», «Demons» oder «Take Me Away», locker zum Vibrieren gebracht werden. Teilweise werde ich stimmlich an die junge Avril Lavigne erinnert. Ein lieblicher Song wie «Love Me Like You Never Did Before» (vom Vorgänger-Album «Grounded», 2017), der auf Spotify bisher über eine halbe Million mal abgespielt wurde, findet sich auf der "make it or break it" Scheibe allerdings nicht. Die insgesamt zehn Songs gehen, bis auf das poppiger gehaltene «The Sunny Side Of The Bay» mit vergleichsweise ordentlich Drive über die Ziellinie. Live dürfte das Ganze dann noch eine Kante härter daher kommen. Wer die Musik von Jessica Wolff bereits kennt, dürfte ob dem Härtezuwachs ziemlich überrascht sein. Die druckvolle Produktion sorgt dabei für zusätzlichen Schub. «Para Dice» besitzt, bewusst oder unbewusst, durchaus Stadion Rock Potenzial. Dennoch ist die Luft in der Oberliga mittlerweile reichlich dünn geworden, und grössere Erfolge werden sich deshalb kaum mehr einstellen lassen.
Rockslave
     
Punkte:
7.8 von 10
BLACK ORCHID EMPIRE – Semaphore  (CD)
Long Branch Records/Musikvertrieb
Das Trio Black Orchid Empire meldet sich mit zukunftsweisendem Rocksound zurück. Sie verbinden brutale Wildheit mit intensiver melodischer Schönheit und erschaffen damit eingängige Musik voller unvergesslicher Momente. Technisch anspruchsvolle und komplexe Grooves mischen sich mit gigantischen Mitsingchören und haben der Band bereits eine weit verbreitete Fangemeinde eingebracht. Black Orchid Empire ist eine überaus fleissige Live-Band, die bereits ausgiebig durch Europa und Grossbritannien getourt ist. Über ausverkaufte Shows mit Skunk Anansie oder Ravenface und diverse Festival-Auftritte erspielte sich die Band ihren Ruf als grossartige Live-Truppe, die man für die Zukunft unbedingt auf dem Radar haben sollte. Bereits für die Vorgängeralben „Archetype“ und „Yugen“ konnte das Rock-Trio hervorragende Kritiken einfahren und mehr als eine Million Streams erzielen. Mit dem nun neu vorliegenden Sci-Fi-Konzeptalbum „Semaphore“ blicken Black Orchid Empire während 13 Tracks in die Zukunft und verschieben munter weiter musikalische Grenzen. Wer also Gefallen an abwechslungsreichem Rock findet, sollte sich unbedingt die Scheibe von Paul Visser (Vocals, Guitar), David Ferguson (Bass, Vocals) und Billy Freedom (Drums) reinziehen.
Oliver H.      
Punkte:
7.8 von 10
CRYODEATH - Slaves Of Time
Eigenvertrieb
Die beiden Eidgenossen aus Solothurn zelebrieren mit 'Slaves Of Time', nach deren Erstling 'Path Of Decay' und zwei früheren Singles ('Come Whatever May' und 'Greed'), seit ihrer Gründung im Jahr 2018, ihren sehr eigenständigen, melodischen Death-Metal mit modernen, avantgardistischen Avancen durch die 10 Tracks. Sehr sauber produzierte Songs zieren 'Slave Of Time', gepaart mit einem sehr mystischen, in scharfem Grünstich gehaltenen Artwork. Klar ist auch, bei einem Duo werden die Positionen aufgeteilt, so versteht sich von selbst, dass Dennis Graumann das Programming vornimmt (Drums, Bass), da er die Vocals und die Gitarre zusätzlich bearbeitet, wie auch dann Thomas Ischi die Leadgitarre bearbeitet und für das Cover-Artwork verantwortlich zeigt. Die Gitarren riffen sich stetig in die Hirnzellen rein, mal etwas thrashiger, mal melodiöser, mal speediger, mal straighter Metal, ohne jedoch den melodischen, deathigen Background jemals zu vernachlässigen. Ja, es wird auch ordentlich geshreddert und gefrickelt, oft untermalt mit einigen Melody-Lines, was den Vergleich zu Opeth, etwas Samael oder In Flames auflammen lässt und eben den besagten leicht avantgardistischen und melodiösen Touch auslöst. Auch leichte Folk-Metal-Momente finden sich auf 'Slaves Of Time' und ebenfalls 'untypische' Death-Metal-Momente, so ist der Zweitling von Cryodeath sehr abwechslungsreich. Durch das gekonnte Programming der Drums, des eingespielten Bass erhalten Cryodeath eine konstante Rhythmussektion, auf der sich auch die Virtuosität konstant aufbauen lässt. Der Gesang ist deathig-rauchend gehalten, weniger im gutturalen Bereich, sondern eher im rauchig-shoutenden Stimmlevel zuhause ist, doch auch cleane Vocals sind zu hören, was deutlich zeigt, wie abwechslungsreich Cryodeath harmonieren. Anspieltipps wären 'Figure', 'Waiting For An Answer' oder 'Scorched Ground'.
Leopold
   
Punkte:
7.8 von 10
UNANIMATED - Ancient God Of Evil (Re-Release LP)
Century Media/Sony
Mit 'Ancient God Of Evil' erscheint ein Re-Release des 1995er-Albums der Schweden, aus Stockholm, gegründet 1988, namens Unanimated. Die 9 Songs des Debuts erklingen dementsprechend 'old-schoolig', will schreiben, die Produktion seinerzeit ist durchwegs zu hören. Klar, bei Re-Releases wird immer etwas gemastert, doch hier auf 'Ancient God Of Evil' ist behutsam vorgegangen worden. Das Coverartwork, sofern das Original verwendet wird, ist auch heutzutage noch aktuell. Gepflegt wird schneller, etwas melodiöser Black-Metal mit etwas deathigen und thrashigen Einflüssen, was seinerzeit, anno 1995, 'Standard' gewesen ist und heutezutage mit den tausend neuen, verschiedenen Stilrichtungen, nicht verstecken muss. Im Gegenteil, dies ist meist eben der Unterschied, welcher 'die gute, alte Zeit' aufleben lässt. Der letzte, aktuelle Release von Unanimated war die EP 'Annihilation' im 2018, nach einer neunjährigen Pause. Well, auf 'Ancient God Of Evil' wird meist deathig mit leichten Black-Metal-Einflüssen gehämmert, gepaart mit melodiösen Soli. Bei den blackigen Parts wird stets gewaltig im Hypertempo gebolzt, was dafür die deathig-thrashigen Parts zum absoluten Death-Groove veranlasst. Der Tieftöner wälzt sich virtuos, unisono und doch wieder zu den Gitarren hingezogen, durch die Tracks des zweiten, longplayerischen Outputs. Die Drums double-bassen meist, rasen in den blackigen Momenten in Schallgeschwindigkeit durch die Notenmasse, um dann bei den melodiösen und ruhigeren Momenten, meist bei den Gitarrensoli, zu wirbeln und die Patterns hierzu zu öffnen, zumal leichte blastende Ansätze zu vernehmen sind. Die Vocals screamen und shouten, sind fernab des heutig bekannten Growls, sondern sind eher der 'krächzenden' Sangeskunst zu vermachen. Anspieltipps wären 'Oceans Of Time', 'Dead Calm' oder 'Die Alone'.
Leopold  
Punkte:
keine Wertung
CHRIS ROSANDER – King Of Hearts  (CD)
AOR Heaven
Wer denkt, AOR/Melodic- und Westcoast-Mucke ist etwas von „in die Jahre gekommene Musiker“, wird hier eines besseren belehrt. Der Schwede Christian Rosander ist nämlich gerade mal 22 Jahre jung. Als Multiinstrumentalist und Songwriter arbeitete er bereits mit diversen Musikern zusammen, wobei aber keine grossen Namen darunter sind. Nichts desto trotz veröffentlicht er nun bereits ein erstes Soloalbum. Klar, dass er dazu sämtliche Songs selber verfasst hat. Aber auch die gesamte musikalische Umsetzung, ausser dem Bass, hat er selber übernommen. Drums und Percussion stammen dabei aber aus dem Computer. Seine musikalischen Einflüsse sind, nach eigenen Aussagen, unter anderem Toto, H.E.A.T. und Chicago, in deren Fahrwasser dann auch der Sound von „King Of Hearts“ angesiedelt ist. In seiner Ausbildung widmete sich der Musiker Jazz-Standards, die er nun dezent einfliessen lässt. All in all besticht die Scheibe durch ein hohes Qualitätslevel, was die musikalische Umsetzung anbetrifft. Da muss man dem guten Chris nichts vormachen, obwohl er nicht auf jahre- oder gar jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen kann. Aber auch die Songs sind grundsätzlich nicht schlecht. Die Individualität und die Kreativität bleiben dabei aber leider weitgehends auf der Strecke. Hooks und Meldien, die durch Wiedererkennungswert glänzen, sind rar. So bleibt die Scheibe nur für explizite Genre-Fans interessant.
Chris C.
Punkte:
7.3 von 10
COLOSSAL REX – Bloodletting
Eigenvertrieb
Alternative Rock und Grunge sind nicht gerade meine Lieblinge, dennoch hat es mir dieses Schweizer Trio, das gemäss Eigenbeschrieb genau diesen Musikstilen frönt, irgendwie angetan. Wobei ich präzisieren muss, dass diese Band so schweizerisch auch nicht ist. Sänger / Gitarrist David Bayless ist US-Amerikaner, Bassist Pippo de Tommaso ist gebürtiger Italiener und die Wurzeln von Drummer Stephen James Mc Cabe liegen in Nordirland. Ist aber eigentlich auch egal, die Jungs sind vermutlich alle drei in der Schweiz wohnhaft und machen echt coole Mucke, das ist es, was am Ende des Tages zählt. Mal können sie richtig tight rocken wie im eröffnenden „Seer“, mal tauchen sie tief ein in die Welt des Proto – Doomrock wie im anschliessenden „Pull The Stone“, um dann mit bluesigen Klängen an den Trip Rock von Steppenwolf zu erinnern („Down The Street“, „Warpaint“, „Pinball“). Kurz: Colossal Rex verorten sich zwar selbst in den eher zeitgemässen, modernen Rock – Klängen, haben aber offensichtlich nicht vergessen, woher laute Gitarrenmusik ursprünglich herkommt. Das ist selbst dann der Fall, wenn sie wirklich alternativ und Grunge-mässig klingen, denn auch in diesen Tracks lassen sie nicht jene Coolness missen, die dereinst vielen Grunge – Ikonen in ihrem vertonten Selbstzweifel-Overkill völlig abgegangen ist. Das Album ist auf den üblichen Kanälen als digitaler Download erhältlich, zudem kann man es auf der Homepage der Band streamen, man kauft also nicht die Katze im Sack.
Mirko B.
  
Punkte:
7.1 von 10
GOBLINS BLADE – Of Angels And Snakes  (Digipack)
Massacre Records
Das erste Werk von Goblins Blade bietet sympathischen, klassischen druckvollen Heavy Metal, der besonders die Herzen von Iron Maiden-Fans schneller schlagen lässt. Einziges grosses Manko für mich: Die Stimme von Florian Reimann. Der Sänger orientiert sich offensichtlich an Bruce Dickinson. Dumm nur, wenn er dabei Frequenzen erwischt, die mir ein Grauen auslösen. Da dies bei mir aber auch teilweise beim Original vorkommt, soll diese Tatsache niemand aufhalten, ein Ohr zu riskieren. Denn objektiv betrachtet macht Reimann seine Sache tadellos. Subjektiv geht er mir bereits nach wenigen Minuten ziemlich auf den Seckel und das Durchhören aller Lieder wird zu einer Qual. Reisse ich mich aber zusammen, finde ich auf diesem Debut-Album gute Lieder, an denen es grundsätzlich nichts auszusetzen gibt. Liebhaber von klassischem Heavy Metal könnten hier sogar grossen Gefallen finden. Man hört den Musikern die Erfahrung an, die sie in den letzten 20 Jahren in Bands wie Sacred Steel, Chinchilla oder My Darkest Hate gesammelt haben. Das mündet in einem Szene-Album, das nie den Anspruch erweckt, innovativ oder eigenständig sein zu wollen. Im Zentrum stehen das Gitarren-Riff, der wummernde Bass und mal weniger schnelle und mal langsamere Lieder, die auch gerne in Richtung Thrash Metal Ausflüge macht. Grosse Ohrwürmer sind für mich nicht auszumachen, das könnte bei mir aber auch am «Sänger-Problem» liegen. Als Einstieg bietet sich der Titelsong an, der eindeutig zum Besten gehört, was dieses Album zu bieten hat. Der grosse Wurf wird Goblins Blade mit ihrem Debüt nicht gelingen. Vielleicht gewinnen sie aber ein paar Fans. Dies sei ihnen herzlich gegönnt. «Of Angels And Snakes» sollte aber vor dem Kauf unbedingt angetestet werden. Denn es hat das Potenzial, beim Hörer eine grosse Bandbreite an Gefühlen auszulösen: Von totaler Ablehnung bis respektvollem Hören.
Roger W.
  
Punkte:
7.0 von 10
MOONLIGHT HAZE - Lunaris  (CD)
Scarlet Records
Irgendwie scheint es der Symphonic Metal den Italienern angetan zu haben, denn viele vielversprechende Projekte kommen aus dem stiefelförmigen Land. Nach dem recht erfolgreichen Debüt startet die talentierte Gruppe um Frontfrau Chiara Tricarico mit dem zweiten Longplayer durch. Dieses vermischt elektronische und sogar folkloristische Elemente in ein entspannendes Ganzes. Sopran und Metal ist eine bewährte Mischung und wie so oft bei anderen Bands, wird uns auch hier bewiesen, dass sie zeitlos ist. Fantasievoll, verspielt, auch mal italienisch zur Abwechslung. 51 Minuten Zauber für die Ohren, solid von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Mona 
Punkte:
7.0 von 10
RAVENLIGHT - Project Genesis  (Digipack)
Novus Records
Auf ein erfolgreiches Debüt und eine vielleicht sogar noch erfolgreichere EP folgende Scheibe wird uns hiermit aus Irland gesandt. Sanft und leicht hört sich Rebecca Feeney's Gesang an, auch die Instrumente sind gut dosiert und Project Genesis schafft es mühelos auf meine Favoritenliste für dieses Jahr. Von A bis Z gut überlegt und geradezu verzaubernd, so kann man es kurz fassen. Hier wurde auf Experimente verzichtet und das kommt dem Gesamtbild gut. Was besonders anspricht, ist die Leichtigkeit des Sounds. Ungezwungen und mit einer Natürlichkeit scheint alles ganz von alleine und ohne Mühe zu entstehen. Auch in der Länge ist das Werk gut bemessen: Standardlänge von 45 Minuten. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Durch die Sanftheit ist der Sound beinahe entspannend und auch etwas entführend.Während des Hörens alles bestens. jedoch scheint nicht viel haften geblieben zu sein. Ist also erstaunlicherweise nur im Moment des Hörens etwas Besonderes. Finde ich schade. Schön wars aber trotzdem.
Mona 
Punkte:
7.0 von 10
PALE DIVINE - Consequence Of Time  (CD)
Cruz Del Sur Music
Der Vierer aus Pennsylvania kann sich mit 25 Jahren auf dem Buckel getrost zum erlauchten Kreis der Underground-Veteranen zählen. Und obwohl ich diesen ganzen Underground-Geschichten durchaus freundlich gesinnt bin, werde ich aus dieser Band irgendwie nicht schlau. Zum einen verwirrt mich die Tatsache etwas, dass der Haufen unter dem allgemein klingenden Label „Heavy Metal“ firmiert, was doch eine Marschrichtung in Richtung klassische Klänge der Marke Judas Priest, Accept, Jag Panzer, Bullet und Konsorten suggeriert, man sich aber beim Anhören der Scheibe mit einem Sammelsurium aus Doom Rock, kauzigem Epic Metal und ganz coolem Heavy Rock an der Grenze zum Bluesrock konfrontiert sieht. Zum anderen verfügt die Band über zwei singende Gitarristen, die stimmlich dermassen weit voneinander entfernt sind, dass man in Zusammenhang mit dem vorher genannten Punkt ständig meint, auf dieser Veröffentlichung seien mehrere Bands vertreten. Das Kaufargument, der Langdreher sei für Fans von The Obsessed, Pentagram und ähnlich gelagerten Truppen geeignet, kann ich zwar nachvollziehen und sogar auch unterschreiben, denn Parallelen sind durchaus vorhanden. Aber irgendwo fehlt mir hier am Ende des Tages doch die klare Linie, mit der ich die Verbindung zu dieser Band herstellen kann. Klingt in meinen Ohren nicht schlecht, aber das war’s dann auch schon.
Mirko B. 
Punkte:
6.9 von 10
RE-ARMED – Ignis Aeternum  (CD)
Black Lions Record
Die Finnen von Re-Armed waren bis anhin vermehrt im Neo-Thrash Bereich aktiv und wenn auch auf dem Vorgänger „The Era Of Precarity“ (2016) gewisse Weichen gesellt wurden, so sind die Herren auf „“Ignis Aeternum“ einen Schritt weiter gegangen und haben einen hörbaren Kurswechsel eingelegt. Die einst dominierenden Thrash-Riffs haben den Rückzug angetreten und überlassen dem „Tasten-Kleister“ die Offensive. Symphonic Klänge aus der Konserve vermischt mit Melodic Death Metal ist nun auf „Ignis Aeternum“ angesagt, der sich irgendwo in der Schnittmenge zwischen Children Of Bodom, Nothgard und Bloodred Hourglass ansiedelt. Ob nun der Kurswechsel die Band populärer machen wird, muss sich erst noch zeigen. Es wird mehr Melodie geboten als früher, dies meist bei einem sehr hohen Tempo und grundsätzlich ist dies nicht mal so übel anzuhören, doch teilweise nervt mich persönlich der Konserven-Kleister, da dieser einfach zu künstlich, ja fast schon erzwungen wirkt. Würde jetzt nicht behaupten das Keyboard sei so penetrant wie einst auf alten Crematory Scheiben, trotzdem verleiht dieser Aspekt dem Werk teilweise eine kitschige Schlagseite. Nennen wir mal „Ignis Aeternum“ zuckersüss, denn trotz all der Tempo-Attacken tut das Werk nicht wirklich weh, die Songs verschmelzen zart mit der Ohrmuschel und die Melodien zünden sofort in der Hirnrinde. Auch bemüht sich Re-Armed mittels Tempowechsel die Sache abwechslungsreich zu gestalten, was grundsätzlich gut gelingt, würde jetzt jedoch nicht soweit gehen und „Ignis Aeternum“ als progressiv deklarieren. Was dem Werk fehlt sind einerseits ein- bis zwei absolute Übersongs und andererseits einfach die „Eier“, wenn ich dies mal so vulgär ausdrücken darf. Fans alter Scheiben der Band, sollten zwingend erst mal ein Ohr riskieren und entscheiden, ob die Neuausrichtung von Re-Armed noch ihr Ding ist. Wer von Melodic Death Metal angereichert mit Kasten-Kleister nicht genug bekommen kann, Melodien lieber mag als die nackte Gewalt, der sollte sich mal „Beyond The Horizon“, „Voyager“ und „Built To Last“ einen ersten Eindruck verschaffen können.
R.K. 
Punkte:
6.8 von 10
TIA CARRERA - Tried And True  (CD)
Small Stone Records
Tia Carrera aus Austin, Texas ist ein seit 1999 instrumental agierendes Stoner Rock/Heavy Psych-Trio, das sich auf ellenlange Improvisationen und wilde Jams spezialisiert hat. Was sich als Grundkonzept zunächst reizvoll anhört – bereits der Opener „Layback“ hört sich an wie ein Jimi Hendrix, der auf der Bühne völlig entfesselt nicht mehr aufhören kann zu solieren – nutzt sich leider in meinen Ohren relativ schnell ab. Zwei, drei Songs hintereinander sind absolut okay, danach flaut allerdings die Aufmerksamkeit relativ schnell ab, da das Konzept irgendwie immer das gleiche ist und es danach relativ schwierig ist, einen Song vom anderen zu unterscheiden. Zudem, wenn sich ein vollwertiger Song („Zen And The Art Of The Thunderstorm“) anhört wie eine Band, die sich vor der gemeinsamen Probe warmspielt, dann fällt es mir schwer, den Sinn dahinter zu erfassen. Immerhin schaffen es die Jungs, durch diskrete Reminiszenzen (Hendrix, Black Sabbath, Ten Years After) für eine gewisse Abwechslung zu sorgen. Irgendwie geil, aber gleichzeitig auch irgendwie anstrengend.
Mirko B.
 
Punkte:
6.8 von 10
GÖSTA BERLINGS SAGA - Artefacts Live
InsideOut Music
Die schwedischen Progressive Rock-Instrumentalisten veröffentlichen heute ein besonderes, ausschließlich digitales Live-Album mit dem Titel "Artefacts - Live". Im Dezember 2018 spielten die Schweden ein einzigartiges Konzert in ihrer Heimatstadt Stockholm. Im Södra Theater führten sie ihr neuestes Album "ET EX" in seiner Gesamtheit, plus ein paar ältere Stücke, vor einem sitzenden Publikum auf. Verschiedene Gäste begleiteten die Band auf der Bühne, und alles wurde gefilmt und aufgezeichnet. Die instrumentale Musik bewegt sich Stilistisch vor allem in Elektro-Berreich, mit Retro Prog-Einflüssen. Songs wie das voll elektronische "Square 5" sind schon sehr gewöhnungsbedürftig. Wobei dann "Artefact" zwar immer noch elektronisch daherkommt, aber fast Pink Floyd-artige Synthies und Gitarren beinhaltet. "Capercaillie Lammergeyer Cassowary & Repeat" klingt dann wieder chaotisch und sehr Elektronisch. "Brus Fran Stan" eine extrem ruhige Nummer nur mit einer cleanen elektrischen Gitarre gespielt. Das folgende "Fundament" geht in die gleiche Richtung, nur dank den Gitarren in die Prog Rock-Richtung. So ist das Album stark von Elektronic Sound geprägt mit hie und da tollen Gitarren-Einschüben. Sicher nicht jedermanns Sache, also bitte vor dem Kauf reinhören.
Crazy Beat 
Punkte:
keine Wertung
BLACK CORONA – The Mission  (CD)
Art Gates Records
Zugegeben, der Bandname liess mich erst mal in Anbetracht der jüngsten Ereignisse schmunzeln, doch die Innsbrucker haben mit dem Virus grundsätzlich nichts zu tun und nach der Gründung im Jahre 2017 geht man nun mit *The Mission“ zum ersten Mal über die volle Länge ins Rennen. Geboten wird grundsätzlich eine Mischung aus Melodic Death- und Groove Metal, der sich meistens im Mitdempo zu Hause fühlt. Schwergewicht wird mehr auf Melodie als auf Brutalität gesetzt, da sticht nach dem flotten Opener „Sweet Shadow“ besonders „Areas“ und „Backdraft“ hervor. Auch „Resolution“ welches (endlich mal) mit schnellerem Tempo beginnt und dann besonders im Hinteren Teil der Saitenfron mehr Spielraum lässt, selber Aufbau auch bei den Schlusslichtern „Apatheon“ und „The Night Eternal“ welche besonders zum Schluss hin wirklich interessant werden. Mit dem Titeltrack „The Mission“ werde ich jedoch nicht wirklich warm, der dümpelt mir schlicht zu sehr vor sich hin. Nun ja Black Corona sind noch nicht auf dem Level von At The Gates oder Machine Head angelangt, da fehlt mir einerseits die Dynamik und auch die Durchschlagskraft. Klar man hört dem Output an, dass hier nicht Millionen für die Produktion zur Verfügung standen, was ich jedoch nicht negativ bewerten möchte, denn mir ist es lieber eine Underground Produktion zu hören, wo die Musiker mit Herzblut zu Werke gehen, als ein durchgerechneter Hochglanz-Erguss, wo es grundsätzlich nur um die Kröten geht. „The Mission“ ist ein erstes Lebenszeichen, welches man so stehen lassen kann, ich hoffe jedoch, dass zukünftig das Songwriting noch etwas mehr an Spannung, Druck und Reife gewinnt, denn die Konkurrenz schläft auch in diesem Sub-Genre nicht.
R.K. 
Punkte: 6.5 von 10
SHE BITES – Joyride  (CD)
Pride & Joy Music
Die Berliner Sängerin und Schauspielerin Melanie Stahlkopf veröffentlicht ein Album, das Fans von Roxette, Fiona oder Robin Beck gefallen dürfte. Mit einer rockigen Stimme singt sie über «Demons», dem «Joyride», ihren Gemütszustand mit «She Is On Fire», über das «Heartbreak Hotel» und dass sie «Dance For You». Nett gemachter Hard Rock, der dem Mainstream-Publikum gefallen wird, den Fans härterer Rockklänge aber nur ein zufriedenes Grinsen abverlangen wird. Klar kann man sich dieses Album bei einer Cabrio-Fahrt mit einer im Lederminirock bekleideten Lady vorstellen, die noch immer Bon Jovi für den härtesten Rocker des Universum hält. Dieses sind dann aber auch die Mädels, welche bei einem Mr. Big- oder Scorpions-Konzert auf die Balladen warten und sich bei den härteren Songs auf dem Klo den Lidschatten nachziehen. Ich bin ganz einfach das falsche Klientel für solche Lieder, die sicherlich nicht so sanft wie diejenigen des amerikanischen AOR klingen, aber auch nicht den englischen FM-Hard Rock bedrängen werden. Anhören und sich selber ein Urteil bilden.
Tinu 
Punkte: 6.5 von 10
ROAD WARRIOR – Mach II  (LP)
Gates Of Hell Records
Die australischen Road Warrior setzen den auf dem Debütalbum eingeschlagenen Weg auf ihrem Zweitwerk konsequent fort. Sie bieten auch heuer einen progressiven sperrigen Heavy Metal, der wohl Kunst sein soll. Das kann gefallen, muss es aber nicht zwingend. Zumal der Gesang sehr eintönig und mit viel Hall als weiteres Instrument die acht Lieder eher versaut als veredelt. Nicht auszudenken, wenn die Melodie-Führung anstelle des Sängers eine Gitarren übernommen hätte. Dann könnte «Mach II» gar als Originell angesehen werden. So aber werden auf diesem Album jeglichen Anspruch auf Gefühle unterdrückt. Und genau das sollte Musik doch eigentlich in die heimische Stube transportieren. Die Kompositionen sind durchaus eigenwillig, abwechslungsreich und immer mit einem Hang zum Doom. Wer diese Verzweiflung in der Musik sucht, wird hier fündig. Zudem merkt man, dass die Musiker ihre Instrumente beherrschen, ohne dass sie bei mir damit etwas auslösen. Da helfen auch klassische Gitarren-Soli nichts mehr. Schade. Denn das Potenzial der Gruppe ist deutlich erkennbar. Gelingt es ihnen künftig, ihre Stärken voll auszuspielen, könnte daraus mehr als ein flüchtiger Szenetipp entstehen. Dafür müsste aber das Gesamtkonzept radikal geändert werden. In dieser Form kann ich aber leider keine Kaufempfehlung aussprechen.
Roger W. 
Punkte: 6.0 von 10
SVEN GALI – 3 (EP)
RFL Records
1992, inmitten der vermaledeiten und völlig unnötigen Grunge-Phase, veröffentlichte die kanadische Truppen Sven Gali ein Debütalbum, das mit dem Debüt-Werk von Skid Row verglichen werden konnte. Auch wenn die Hitdichte bei Sven Gali nicht im gleichen Ausmass vorhanden war, aber alleine der Opener «Under The Influence» war ein Feuerwerk eines Tracks, den man damals kaum mehr zu hören bekam. Schon mit dem zweiten Album «In Wire» schlug der Fünfer einen Weg ein, der dank Mittuns durch Mitglieder von Blind Melon und Candlebox, starke Grunge-Einflüsse erkennen liess. Was folgte, war der Bruch der Truppe 1996. Mit der neuen EP klingt die Band wie eine Mischung aus den beiden veröffentlichten Alben, was leider dazu führt, dass man zwischen allen möglichen Stühlen und Bänken fällt. Sehr schade, denn Sänger Dave Waneless hat noch immer diese fette, leicht kreischende und dich anspringende Stimme, die bestens zu Tracks wie denjenigen von Skid Row passen würde. So ist «3» ein Album geworden, das Freunde von leichten Industrial-liken Klängen und dem Erbe des Grunge sicher gefallen wird. Alleine der Abschlusssong «Hurt» reicht meinen Ohren nicht aus, den Jungs eine bessere Benotung zu geben...
Tinu  
Punkte:
keine Wertung
RAVENSCRY - 100  (CD)
Independent Release
Melodisch liegt den Italienern sehr. Nicht seit gestern, bestimmt für lange. Eine weitere italienische Gruppe die das gewisse Etwas zu haben scheint. Relativ mitreissend gespielt und ansprechend gesungen, die 41 Minuten vergehen schnell. Keine grossen Experimente, da hätte sich die Band etwas mehr trauen können. Der Sound hat das Potential, etwas deftiger zu sein ohne überzeichnet zu wirken. Da aber eher scheu gearbeitet worden ist, bleibt wenig haften. Das Album ist von Anfang bis zum Schluss angenehm zu hören, doch nach dem Durchhören scheint das am Anfang vermutete, gewisse Etwas verschwunden zu sein. Sehr schade. Alles richtig gemacht aber ohne Zahn. Hoffentlich beim nächsten Mal besser. Wer es aber gerne melodisch mag wird bestimmt gut bedient und während des Hörens ist es definitiv nicht schlecht.
Mona  
Punkte: 6.0 von 10
BLUT - Hermeneutics
AUSR
Eher untypisch, da eine Interpretation des Tarot, präsentiert uns die Italienisch-Schweizerische Gothic-Gruppe, präsentiert uns Blut ein eher in den Elektrorock ausschweifende Auslegung der 22 Grossen Arkana. Ein Song pro Karte, wird jedes Thema ordentlich behandelt. Das Konzept finde ich sehr interessant und dafür gibt es schon mal etwas Sympathie. Die Ausführung scheint musikalisch solide, stimmlich aber weniger umwerfend. Die Überzeugung fehlt in den Stimmen und das zieht für mich das Gesamtbild ziemlich runter. Die verschiedenen Gesangsarten vermischt verleihen aber dem Ganzen etwas Vielfalt, was sich wiederum positiv auswirkt. Alles in Allem fehlt dem Ganzen etwas Substanz. Wirklich packend scheint mir diese Scheibe daher nicht. Einmalig oder zweimalig eine Freude, ohne bleibenden Effekt.
Mona 
Punkte: 6.0 von 10
THE SPACE OCTOPUS - Tomorrow We'll Be Gone  (CD)
Art Gates Records
So leid es mir auch tut, das zu konstatieren, aber: Ich bin auch nach mehrmaligem Hören dieser Scheibe einfach nicht warm geworden mit dem Weltraum-Oktopus. Ich meine, wir haben da sehr gute Ansätze, wie beispielsweise einen engagierten, rauh singenden Vokalisten, Instrumentalisten, die ihren Job gut machen, und zahlreiche Abwechslungen. Und dennoch, mir erschliesst sich dieses Gemisch einfach nicht. Ist es Heavy Rock? Art Rock? Grunge? Alternative? Verdrogte Hippie-Mucke? Echt, ich kann mir keinen Reim darauf machen. Ergo: Hört selber rein, und entscheidet für euch selbst, ob euch diese Mucke zusagt oder nicht. Fragwürdig.
Toby S. 
Punkte: 5.0 von 10
WINTERFYLLETH – The Reckoning Dawn  (2 LPs)
Candlelight Records
Ich verfolge diese Fünfköpfigen Gruppe schon eine Weile, und ihre Musik hat mich immer schon beeindruckt. Die Band wurde 2007 in den UK gegründet und hat sei dem einige Splits, Singles, Compilations, ein Live Album und sieben Studioalben veröffentlicht. Der Sound bewegt sich sehr zwischen Klassischem Folk und rohem, schnellem Black Metal. Ich weiss, dass ich mit solchen Bemerkungen immer etwas aus der Reihe tanze, aber es ist halt leider wahr, dass es sich Winterfylleth mit einigen Aktionen, die klar auf eine nationalistische Gesinnung hindeuten, deutlich bei mir verscherzt haben, obwohl ich die Band über Jahre auf Grund ihrer Musik sehr geliebt habe. Aber konzentrieren wir uns hier mal auf den Sound. Wir beginnen mit «Misdeeds Of Faith», welches sehr hart und roh beginnt und im Verlauf des Songs noch einen Hintergrund-Chorus aufbaut. Danach kommt ein fliessender übergang zu «A Hostile Fate (The Wayfarer Pt. 4)», welches mit einem kurzen Riff startet und danach ebenfalls in der gleichen, schnellen Manier weiterläuft. «Absolved In Fire» ist die erste kleine Abwechslung. Der Track beginnt mit einem zweiminütigen Akustik-Stück, darauf folgt ein gestrecktes Gitarrenriff und der Track geht wieder auf die gewohnt brutale Art weiter. Als nächstes kommt der Titeltrack «The Reckoning Dawn», welcher wirder identisch mit dem ersten beiden Tracks durchfetzt bis auf einige melodische Solo-Parts, die so ab der Hälfte auftauchen. «A Greatness Undone» schlägt wieder in die exakt gleiche Kerbe. Auch hier hat man in der Mitte ein Solo zur Auflockerung und der Rest ist einfach totales Durchgeblaste. Eine Willkommene Abwechslung birgt dafür «Betwixt Two Crowns» welcher ein kurzer, instrumental Akustik-Track ist. «Yielding The March Law» und «In Darkness Begotten» sind dafür wieder absolut identisch ohne grosse Tiefe. Das ganze Album hat leider die Angewohnheit, dass man es durchhört und nie genau weiss, bei welchem Song man gerade ist, da sich der grösste Teil davon sehr gleich anfühlt. Für mich fühlt es sich an, als hätten Winterfylleth viel von ihrer früheren Tiefe verloren und wären dabei etwas in die Monotonie gerutscht. Ich denke dabei an Alben wie «The Dark Hereafter», welches mich damals von Anfang bis Ende verzaubert hat.
Simu 
Punkte: 5.0 von 10
CURSE THE SON - Excruciation  (LP)
Ripple Music
Massiv überverzerrte Sounds erklingen aus meinen Boxen, repetitiv, irgendwie einlullend - Curse The Son spielen eine Art von Grunge beeinflusstem Doom/Stoner Metal mit Fuzz-Anleihen und weinerlichem, klagendem Gesang. erinnert stellenweise frappierend an Nirvana oder Alice In Chains. Das wäre an sich ja noch ok, aber das Problem hierbei besteht darin, dass sich die Soundstrukturen nie wirklich voneinander unterscheiden. Abgesehen vom Titeltrack oder "Devil Doctor Blues" (mit der im Trackitel erwähnten musikalischen Stilrichtung, was echt geil ist). Somit ist "Excruciation" eher was für Afficionados der erwähnten Stilrichtungen, mich persönlich haut das jetzt effektiv nicht aus den Stiefeln. Schade, da wäre mehr drin gewesen. Nicht zwingend notwendig.
Toby S. 
Punkte: 4.5 von 10
DANZIG – Danzig Sings Elvis  (Digipack)
Cleopatra Records
Wie geht man ein Album an, das bereits im Vorfeld vernichtende Kritiken eingefahren hat? Schwierig! Was sicherlich „Schinken-Glenn“ nicht abzusprechen ist, dass er sich als „Evil Elvis“ mit den Misfits und während seinen ersten vier Soloalben unsterblich gemacht hat. Nach 1994 kam allerdings kaum mehr Brauchbares. Mit „Danzig Sings Elvis“ hat sich der Sänger nun einen langjährigen Herzenswunsch erfüllt. Wer jetzt mit einem Coverhit-Album des Kings gerechnet hat, wird schwer enttäuscht. Er interpretiert lieber 14 Nummern aus der zweiten Reihe neu. Lediglich der Priscilla-Trennungssong „Always On My Mind“ (bekannt geworden durch die Pet Shop Boys) und „Fever“ dürfte auch nicht eingefleischten Elvis-Fans vielleicht bekannt sein. Gegen diese Tatsache allein ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden aber die Platte ist wirklich lausig und schlecht gemacht. Der Gesang ist schief, der Sound ist höhenlastig, drucklos und in so viel Hall gepackt, dass man meinen könnte, Danzig habe etwas zu verbergen. Dass er erneut das Album nahezu allein ohne Band eingespielt hat, lässt einen auch fassungslos zurück, denn das hat bekanntlich schon 1985 auf der Misfits-Compilation „Legacy of Brutality“ nicht funktioniert. Ein aussergewöhnlicher Sänger und Frontmann ist eben leider noch kein toller Musiker. Glenn Danzig hätte während der Corona-Krise auch einfach besser „zuhause bleiben“ sollen!
Oliver H. 
Punkte: 4.0 von 10
NEIGE MORTE – IIII  (LP)
Division Records
Neige Morte wurde 2009 in Lyon, Frankreich gegründet. Der Name bedeutet übrigens soviel wie «Toter Schnee», wenn man ihn ins Deutsche übersetzt. Das Trio Tourt mit ihrem Mix aus Black und Death Metal immer mal wieder durch die Welt und veröffentlicht dabei alle paar Jahre mal wieder ein Album. Dadurch ist bereits eine Split und vier Alben entstanden, von welchen wir das Neueste hier vorliegen haben. Das Intro ist praktisch non-existent, und das meine ich nicht so, dass es direkt los geht, sondern im Gegenteil. «The Call» ist nämlich nicht wirklich ein Track. Was wir hier hören gleicht eher einem rhythmischen Mikrofon-Knacken. Interessanterweise fühlt sich der Übergang zu «Hlcst» trotzdem fliessenden an, da die Drums den Rhythmus gleich übernehmen. Der Track an sich wechselt ständig Instrumente und Höhen und Tiefen, begleitet von einer wehklagenden Stimme. Erinnert mich etwas an ein Orchester mit dem ganzen Auf und Ab. «Svart Hål» fängt genau gleich an und wird in der zweiten Hälfte noch merkwürdiger da dort nur noch ein leicht verzerrter Bass und leise Drums zu hören sind. «And Beyond» hört sich dafür an wie eine Kassette, die zu oft gespielt wurde. Man hört durch dichtes Rauschen irgendwo eine Gitarre raus, und das war es dann auch. «Lämna Inga Spår» ist eine endlose Spirale aus einem Riff und einer Schlagzeug-Abfolge mit erneuter Begleitung dieser Klagenden Stimme. «Ice Age» packt wieder das gute alte Mikrofon-Knacken aus, und sogar das dichte Rauschen hat einen Gastauftritt. Der Titeltrack «IIII» hört sich ehrlich gesagt an, als hätte man einen alten Gorgoroth-Track genommen, über ein Walkie Talkie abgespielt und die Kassette davon danach noch 500 mal durchgerödelt. Besser kann ich es nicht zusammenfassen. Das ganze ist ein Arthouse-Film von eine Album und entweder ein verzweifelter versuch, Künstlerisch zu wirken, oder eine versteckte Kritik an irgendwas, irgendwo. Ich kann damit auf jeden fall gar nichts anfangen.
Simu 
Punkte: 4.0 von 10
REVENGE – Strike.Smother.Dehumanize  (LP)
Season of Mist/Irascibe
Die Black / Death-Gruppe Revenge, die von einigen auch als Chaos/Black Metal betitelt wird, gründete sich 2000 in Kanada und hat seit dem nicht die Füsse stillgehalten. Drei Splits, vier EPs und ganze sechs Alben hat die dreiköpfige Band bereits hervorgebracht. Auch wenn die Band sich nie wirklich öffentlich dazu geäussert hat, gibt’s es mehrere Indizien dafür, dass sie Stark am rechten Rand der Black Metal-Szene schwimmen. Der Sound der band ist absolut zerstörerisch. Da gibt’s keine Melodie, keine Höhen und Tiefen, die Band ist eine Kettensäge. Und so läuft es auch wieder in diesem Album. Also Tiefe sucht man hier vergebens. Der erste Track ist «Reaper Abyss (Real Rain)». Der hat kein Intro und nix, da geht es einfach drauf los, direkt durch «Reign Power (Above All Born)», «Oath Violater», «Salvation Smothered (Genocide Of Flock)» und so weiter und so fort, wie sie nicht alle heissen. Ich glaube, das Prinzip habt ihr verstanden. Das Album ist pures Rauschen. Schlimmer als jede Marduk-Platte und in etwa so wie bei 120 auf der Autobahn das Fenster öffnen. Keine Tiefe, keinen Verlauf, kein Roter Faden, kein Gerüst, und sonst einfach nur Epilepsie an jeglichen Instrumenten. Ich würde es fast als unvergleichbar stumpf bezeichnen. Wenn sich jemand gerne ein Loch in den Gehörgang bohren lässt, dann kann ich das Album auf jeden fall empfehlen, für alles anderen wähle ich lieber das Autofenster, das erfrischt wenigstens noch etwas.
Simu  
Punkte: 1.0 von 10
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