Livereview: Magnum - Saga

23. Mai 2014, Pratteln – Z7
By Rockslave
 
Bei der gegenwärtigen Fülle an Konzerten überrascht es nicht, dass interessante Billings mittlerweile wirklich etwas her machen müssen, um noch genug Leute anzuziehen. Doch selbst dieses Unterfangen kann mitunter nicht, wie erhofft, zum Erfolg führen. Das Double-Headliner Package mit SAGA und Magnum las sich zumindest auf dem Papier schon mal ziemlich gut, doch die fetten Jahre der Kanadier (SAGA) sind längst vorbei und die Briten (Magnum) waren nie ausgesprochen stark angesagt. Dennoch durfte man hier getrost von einem interessanten Konzertabend ausgehen. Wie an sich üblich, wenn zwei Headliner am Start sind, tausch(t)en diese die Reihenfolge des Bühnenbesteigens auf der Tour jeweils ab. Für den Auftritt von heute Abend fielen die Würfel somit zuerst für SAGA, was ich, ehrlich gesagt, etwas bedauerte. Allerdings fehlt mir bei ihnen, trotz der erfreulichen Rückkehr von Michael Sadler, die Spritzigkeit der früheren Jahre. Nicht dass die Alben der jüngeren Vergangenheit etwa schlecht gewesen wären, aber ohne die alten Hits wären noch weniger Leute als die paar Hundertschaften ins Z7 gekommen und Magnum erging es dabei eigentlich ziemlich gleich.

SAGA

In einer neuerlichen Retrospektive mutet es beinahe unheimlich an, dass das Comeback von Michael Sadler bei SAGA als Frontmann nach dem Ausstieg Ende 2007 bereits wieder dreieinhalb Jahre her ist! Doch ohne diesen (freiwilligen?) Schachzug hätte die Band mit dem Kurzzeitersatz Rob Moratti (2008 bis 2011) definitiv keine Zukunft mehr gehabt. Nicht dass das einzige SAGA-Album mit einem anderen Sänger («The Human Condition», 2009) musikalisch schlecht gewesen wäre, aber verkaufstechnisch floppte das Teil total und nur «Pleasure And Pain» (1997) war chartmässig noch schlechter. 2012 schickten die Canucks das Sadler-Comeback «20/20» ins Rennen und siehe da, war man flugs wieder in den Top-15 anzutreffen. Den (positiv gemeinten) Schatten der erfolgreichen Zeit, die locker drei Dekaden her ist, werden SAGA aber nicht mehr los und das ist eben letztlich auch das, was die Fans an den Konzerten hören möchten, nämlich die Hits! Dass man hierbei aber einen auf (zu) sicher machen kann, zeigten die letzten paar Gigs, die dann halt nicht immer so inspiriert wirkten. Obwohl beide Bands zwar, wie angekündigt, als „Headliner“ figurierten, war jedoch von Anfang an klar, dass die Sets jeweils etwas gestrafft werden mussten. So verwunderte es letztlich nicht, dass von «20/20» nur «Anywhere You Wanna Go» und dem kommenden neuen Werk «Sagacity» leider gar nichts zum Zug kam. So blieben, wenn man sich die untenstehende Setliste anschaut, effektiv nur die alten Schoten übrig. Immerhin schlich sich mit «Ice Nice» ein eher selten gesehener und gehörter Exote vom Debüt-Album in die Setliste. Der Rest ist schnell erzählt, denn trotz dem drahtigen und agilen Frontmann wirkte Vieles über weite Strecken einfach eine Spur zu routiniert und wo die Fans früher völlig austickten und tolle Sing-a-longs erleben liessen, musste sich Herr Sadler heute Abend ordentlich anstrengen, um beim mehrheitlich passiven Publikum wenigstens etwas Enthusiasmus auslösen zu können. Das ist natürlich meine Sicht der Dinge, aber wer diese Hammer-Band mal in einem ausverkauften Hallenstadion geniessen durfte, setzt einfach andere Massstäbe an. Trotzdem ist es natürlich erfreulich, dass wir SAGA in den nächsten paar Jahren wohl weiterhin auf der Bühne sehen und hören werden.

Setliste: «Don't Be Late (Chapter 2)» - «You're Not Alone» - «On The Loose» - «Anywhere You Wanna Go» - «Too Much To Lose (Chapter 7)» - «Drum Solo Mike Thorne» - «Corkentellis (Instrumental)» - «Ice Nice» - «How Long» - «Humble Stance» - «Tired World (Chapter 6)» - «Scratching The Surface» - «Careful Where You Step» -- «Wind Him Up».


Magnum
Rational ist das eigentlich nicht zu erklären, warum den Briten der grosse Erfolg bis heute nicht beschieden war. Die Biographie von Magnum liest sich eigentlich wie viele andere auch und rein szenetechnisch hatte man mehrheitlich kaum was falsch gemacht…, oder doch? Fakt ist, dass man anfangs der 80er kurz vor dem Split stand, das Lineup recht unstetig war und sich einige Produzenten die Klinke in die Hand gaben. Dennoch entstanden ein paar Alben, die heute noch über Kultstatus verfügen: «On A Storyteller’s Night» (1985), «Vigilante» (1986) und «Wings Of Heaven» (1988). Im selben Jahr folgten bekanntlich die legendären drei „sold out“-Shows im „Hammersmith Odeon“ (heute „Apollo Hammersmith“). Nach ein paar weiteren, aber nicht mehr sonderlich erfolgreichen Alben war dann 1995 zunächst mal Schicht im Schacht und erst sieben Jahre später sollte die Bandgeschichte weiter geschrieben werden. Der Knackpunkt im positiven Sinne ist das vor zehn Jahren erschienene Hammer-Werk «Brand New Morning», das im Vergleich zum bisherigen Songmaterial ziemlich kernig zur Sache geht und exzellenten Hardrock auffährt. Das ist umso bemerkenswerter, weil Mastermind und Gitarrist Tony Clarkin im Frühsommer 2002 einen Herzinfarkt erlitt, dem mitunter der angekündigte Auftritt beim BYH!!!-Festival zum Opfer fiel. Seit der Genesung von Tony sind Magnum aber wieder voll da und lieferten auch musikalisch laufend weitere Qualitätswäre ab, die härtegradmässig allerdings etwas eingebüsst hat. Und das ist der springende Punkt oder das hüpfende Komma. Trotz der stets überaus melodiösen Mucke sowie den fett aufgefahrenen Arrangements der Studiowerke, fehlt live oft etwas Punch und Drive. Die mehrheitlich midtempolastigen Songs verharren in einem für meine Begriffe zu schlappen Rhythmusgerüst und lassen über die Distanz die entsprechende Abwechslung vermissen. Das spürte man im Vergleich zu den zuvor deutlich tighteren SAGA umgehend. Allerdings waren heute Abend klar mehr Fans der Briten zugegen, denn die Stimmung entsprach nun dem, was man sich für einen Headliner vorstellt. Obwohl nicht mehr die Jüngsten, lieferten Bob Catley (67) und Tony Clarkin (68) zusammen mit ihrer Hintermannschaft ein überzeugendes Konzert ab, dessen Highlights vermehrt gegen Ende des Sets folgten. Speziell «Kingdom Of Madness» wurde von vielen Fans offenbar sehnlichst erwartet und danach entsprechend freudig abgefeiert. Spätestens jetzt könnte man meine zuvor gemachte Einschätzung von wegen “lasch“ keck kontern und nimmt man die ersten drei gespielten Songs vom neuen Album «Escape From The Shadow Garden» als Massstab, dann treffen sich Magnum und ihre Fans in der goldenen Mitte der Vorstellungen wie Erwartungen. Mir persönlich war es, wie gesagt, eine Spur zu „unaufgeregt“, aber das kann man getrost Jammern auf ganz hohem Niveau nennen. Wie der „andere Headliner“ spielten die Melodic Rocker aus dem britischen Königreich um die 85 Minuten herum und entliessen sichtlich zufriedene Leute in die Nacht hinaus.

Setliste: «Live 'til You Die» - «Black Skies» - «Freedom Day» - «Dance Of the Black Tattoo» - «Blood Red Laughter» - «Unwritten Sacrifice» - «How Far Jerusalem» - «Les Morts Dansant» - «Falling For The Big Plan» - «All England's Eyes» - «Vigilante» - «Kingdom Of Madness» -- «The Spirit» - «Sacred Hour».